Samstag, 15. August 2026

Schau mich an

 


Eine MondGeschichte


Schau mich an

Mehr als alles andere
sehne ich mich danach,
gesehen zu werden.
Nicht beurteilt.
Nicht vermessen.
Nicht verbessert.
Nur gesehen.
Von Augen,
die lieben,
bevor sie verstehen.
Und doch ist genau das
meine größte Angst.
Der Blick,
der mich wirklich erreicht.
Der meine Masken durchdringt.
Der nichts übersieht.
Ich fürchte ihn.
Und ich sehne mich nach ihm.
Also werde ich mutig.
Ich nehme die Maske ab.
Ich fürchte, hässlich zu sein. Alt. Zu viel. Zu wenig. Gebrochen. Uninteressant.
Und trotzdem sage ich:
Schau her.
Hier bin ich.
Nicht erst, wenn ich stark bin.
Nicht erst, wenn ich geheilt bin.
Nicht erst, wenn ich alles verstanden habe.
Jetzt.
Ich zeige mich, wenn ich mich einsam fühle. 

Verloren. Beschämt. Verwirrt. Traurig. Wütend. Verletzt.
Gerade dort, wo ich mich am liebsten verstecken würde, öffne ich die Tür.
Ich lasse Licht hinein.
Ich lade dich ein, mein ungeordnetes Herz zu sehen.
Nicht die Geschichte, die ich über mich erzähle.
Mich.
Und ich gehe das größte Risiko ein:
geliebt zu werden.
Denn Liebe ist gefährlich.
Sie findet, was ich sorgfältig verborgen habe.
Sie berührt, was ich selbst kaum ansehen kann.
Sie nimmt mir die Möglichkeit, mich hinter meinen Masken zu verstecken.
Darum sage ich auch dir:
Wage es.
Wage, abgelehnt zu werden.
Wage, dich noch einmal zu schämen.
Wage, lächerlich zu sein.
Wage, unvollkommen zu sein.
Denn das Gegenteil ist kein sicheres Leben.
Es ist ein verborgenes.
Wie anstrengend ist es, ständig jemand sein zu wollen, der du nicht bist.
Zeig dich.
Ungeschönt.
Zeig deine Verletzlichkeit.
Zeig, dass du keine Antworten hast.
Dass du nicht fertig bist.
Dass du fällst.
Dass du zweifelst.
Dass du Mensch bist.
Jetzt.
Deine tiefste Scham heilt nicht im Versteck.
Sie heilt dort, wo sie im Licht einer liebevollen Gegenwart gesehen wird.
Deine Schwächen wollen nicht besiegt werden.
Sie sehnen sich nach Zärtlichkeit.
Nach einer Liebe, die nichts fordert.
Nach einem Blick, der bleibt.
Wenn du glaubst, am wenigsten liebenswert zu sein,
genau dann
halte nicht Ausschau nach Perfektion.
Lass dich finden von der Liebe, die dich nicht erst verdient sehen will.
Sie hält dich.
Nackt.
Ungeschützt.
Unvollkommen.
Und gerade deshalb
liebenswert.
Genau so.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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