Der gr├╝ne Mond - Tote leben besser

Anja Mond

Novelle

Der gr├╝ne Mond

Tote leben besser


Leseprobe


Oktober 2015

KAPITEL I

„Kennen wir uns? fragte John und suchte in ihrem Gesicht eine Antwort. In dem Gesicht der Frau, die so fr├╝h schon ihren Cappuccino verlangte,als geh├Âre er zu ihrer Pers├Ânlichkeit!

 „Nein“,antwortete Maria“, ich habe dich noch nie gesehen, aber manchmal ist einem so, als kenne man sich.“ Maria grinste, als sie diese Worte aussprach und hatte pl├Âtzlich so ein warmes Strahlen im Gesicht.  John servierte ihr den Cappuccino und dachte bei sich, komisch,sie ist doch so vertraut. 

„Kennst du das Tarot? fragte Maria und kramte in ihrer Tasche. „Was ist das, ein Weltwunder? lachte John. „Nein, oder doch ja, das Tarot ist sogar eines der vielleicht gr├Â├čten Weltwunder. „Hmmm, John gr├╝belte, hatte er vielleicht doch schon mal davon geh├Ârt. 

"Was genau meinst Du damit, ich glaube ich kenne die Tora, das heilige Buch der Juden.“ Maria best├Ątigte, „ja, so etwas ist auch das Tarot. Ein Buch der Weisen. Oder besser, eine Weissagung in Form von Symbolen."

Da es keine G├Ąste in dem Caf├ę gab, setzte sich John zu Maria an den Tisch. Es war erst 8:00 Uhr in der Fr├╝h. „Erz├Ąhl mir mehr, bitte. Wei├čt du, ich hatte in der letzten Zeit so schr├Ąge Tr├Ąume, ein Frau erschien mir immer und imer wieder. Irgendwie erinnerst Du mich an diese Frau, doch sie hatte blaue Augen. Du hast gr├╝ne Augen, doch du kommst nun wieder mit solchen seltsamen Andeutungen, Wahrheiten, Hinweisen.  

Ich denke nicht, dass dies hier wieder nur ein Traum ist, doch irgendwie bin ich ja bei der Arbeit und kann gar nicht tr├Ąumen.“ 

„Bist du dir da sicher?“ fragte Maria und grinste schon wieder so lieblich. „Nein, jetzt bin ich voll da und wach, ├╝berzeugte sich John selbst. „Nun gut,“ Maria hatte nun in ihrer Tasche das gefunden, was sie suchte. Es waren Karten, bunte Karten, John schaute neugierig und fragte: „das sind doch Spielkarten“.  

„Willst du etwas ├╝ber dich wissen?“ fragte Maria und grinste ihn an. „Aber klar, antwortete John, mittlerweile bin ich total auf mich selbst fixiert und bin neugierig und total gespannt, was es noch zu entdecken gibt. Wie gesagt, meine Tr├Ąume waren schon krass.“ ,„Gut“, sagte Maria, dann erz├Ąhl ich dir mal was, aber da du ja arbeiten musst, haben wir ja nicht wirklich viel Zeit. „Ach“, John schaute sich um, „komisch, irgendwo scheinen keine Fr├╝hst├╝cksg├Ąste zu kommen.“ 

„Maria l├Ąchelte in sich hinein. John sagte: „Wir unterhalten uns bis G├Ąste kommen.“ 

Mittlerweile war es 08:30 Uhr und niemand scheint heute ins Caf├ę zu kommen. „Kennst du Yemaha?“ fragte Maria.  „Nein, woher auch?", antwortete John und l├Ąchelte. 

„Yemaha ist die afrikanische Vollmondg├Âttin, fuhr Maria fort, sie ist ein Symbol der Mondkraft und Ursprungsquelle unserer Lebensenergie. Sie ist das Geheime und Unentdeckte in uns. Sie steht f├╝r unserer Intuition und wird mit der Tarotkarte Mond wiedergespiegelt. Der Mond in uns ist irrational, voller Leidenschaft, Instinkten und Gef├╝hlen, die nicht unbedingt definierbar sind. Wenn ich mir deine Situation tarottechnisch bewusst machen m├Âchte, so wie ich es jetzt gerade tu, spiegelt die Karte „der Mond- Yemaya – die Mondin“ genau deine momentane Welt wieder. Schau, so sieht sie aus, die Mondin."

Maria zeigte ihm die Symbolkarte der Mondin. 

"Wow“, staunte John. "Ist ja unglaublich, wie sie strahlt, und das mit nur einem Auge!“ „Ja“, antwortete Maria. Das ist das „dritte Auge“, im Sankskrit, der indischen Gelehrtensprache wird es „Ajna“ genannt. Es ist das Auge der Intuition, der sogenannte 6. Sinn. Es sieht all das, was wir mit unseren physischen Augen nicht sehen. „Woher hast du diese Karten?“ fragte John neugierig. 

"Meine Gro├čmutter war eine echte Zigeunerin und verdiente ihr Geld f├╝r die Familie mit Wahrsagen und irgendwann gestaltete und zeichnete sie diese Karten hier. Sie sind einzigartig."  "Das ist ja krass", entgegnete John. " Sehr krass. Hast Du noch mehr davon?  

Er sah, wie sie ein kleines T├Ąschchen aus Samt bei sich trug, aus dem sie zuvor diese "Mondin-Karte" herauszog.
"Oh ja, wir k├Ânnen ja mal schauen, was Deine Hauptenergie ist, lieber... wie hei├čt Du eigentlich? fragte sie verschmitzt. 

"John", grinste er, denn auch er kannte ihren Namen ja noch gar nicht. "Und du Frau Mondin?" "Ich hei├če Maria, so wie meine Gro├čm├╝tter. Beide hie├čen sie Maria. Ok lieber John, dann schau ich mal in dein Energiefeld und sehe mir deine Hauptkraft an." 
"Ich verstehe kein Wort", sagte John. 
"Nat├╝rlich nicht, du sollst ja auch nicht verstehen, sondern f├╝hlen. Unser Verstand ist so begrenzt, doch unser Wahrnehmungsorgan umso gr├Â├čer. 
Aber klar, um wahrnehmen zu k├Ânnen, erfordert es zumindest ein Verstehen um diesen Prozess. 
Diese Tarotkarten spiegeln deine feinstofflichen K├Ârper wieder. 
Deine Gef├╝hle, Gedanken, dein Unterbewusstes, alles, was was du nicht direkt ├╝ber den Verstand wahrnehmen kannst. 
Es ist wie ein Spiegel, um in dein Gesicht schauen zu k├Ânnen, bedarf es auch eines Spiegels. Die eigenen Augen hat noch nie jemand zuvor gesehen, nur wenn man in einen Spiegel schaut. 
Und gerade unsere Augen sagen soviel ├╝ber einen Menschen aus. Sie identifizieren uns sogar ├╝ber unsere Augenfarbe. Das Gesicht ist einzigartig und doch k├Ânnen wir uns niemals sehen. Das ist doch sehr erstaunlich, oder? "

"Ja, das ist es wohl", gr├╝belte John und stellte fest, dass er noch nie dar├╝ber nachgedacht hatte. 
Verr├╝ckt, total verr├╝ckt, stellte er fest und kam gar nicht dar├╝ber hinweg.  "Und genauso wie der Spiegel unser Gesicht und vor allem auch den Ausdruck unseres Gesichtes spiegelt, so spiegelt das Tarot mit seinen Symbolen unser Unterbewusstes wieder. Es zeigt uns unsere verschiedenen Energiewelten, von denen es unz├Ąhlige gibt. Man muss nur gezielt danach fragen. Und wir k├Ânnen diesen Symbolen ruhig vertrauen, denn es ist genauso neutral wie ein Spiegel. 

Das Tarot oder auch andere Symbole sowie der Spiegel haben kein Interesse daran, was gespiegelt wird. Es spiegelt einfach."

"So so", John war so erstaunt und neugierig," dann erz├Ąhl mir mal, wer ich bin." "Na, das ist ja mal eine Frage", Maria war verbl├╝fft und freute sich sehr dar├╝ber, dass John zu verstehen bzw. sein Wahrnehmungsorgan zu sp├╝ren schien. 

Sie zog eine Karte aus ihrem Samt-S├Ąckchen und legte sie verdeckt auf den Tisch. 
" Bist du bereit? " fragte sie. 
John war bereit und sagte: "Yes, Mam" und grinste. 
"Na dann", sagte Maria und drehte die Karte um.
"Wow", John war sehr aufgeregt zu erfahren, wer er denn sei. " Na zuerst einmal muss ich Dir sagen, lieber John, dass wir niemals gleich sind. Es ist dein momentan er SeinsZustand, der sich jederzeit ver├Ąndern kann. Nun bist du in der Kraft des "Teufels", der Unterdr├╝ckung." "Was? " rief John entsetzt. Wie, der Teufel? Den gibt es doch nur in der Bibel. Ich bin nicht gl├Ąubig. "Nein, der Teufel ist eine Kraft in uns mit einer sehr gro├čer Intensit├Ąt des Unterdr├╝ckens, entweder werden wir unterdr├╝ckt oder wir unterdr├╝cken andere. Aber auch oft uns selbst. Vor allem uns selbst, da wir ja am Ende alle Eins sind. Jedoch ist f├╝r diese Erkenntnis ein bestimmter Bewusstseinszustand vonn├Âten. Diese Karte ist nicht negativ, sie macht uns nur unserer F├Ąhigkeiten bewusst und deine Hauptkraft ist derzeit die Macht. Du hast Macht. Auch ├╝ber andere, doch sp├╝re mal in dich hinein, wo du vielleicht unterdr├╝ckst oder gar ausnutzt. Grunds├Ątzlich ist es eine sehr kraftvolle Energie, die in dir steckt und derer du dir sicher auch schon bewusst geworden bist.

Diese Karte will dich darauf hinweisen, dass du dich in einem Zustand von Unterdr├╝ckung befindest. Frag dich doch mal selbst, wo du dich unterdr├╝ckt f├╝hlst. 
Du kannst diese scheinbar negative Kraft in eine positive KraftQuelle verwandeln. Diese symbolisiert die Karte "Pan", sie steht f├╝r die andere Seite dergleichen Kraft. Positive Kraft, ohne die Macht zu benutzen.
Also zun├Ąchst - sofern du etwas ├╝ber dich erfahren m├Âchtest - k├Ânntest du dir ├╝ber deine Unterdr├╝ckungsmechanismen bewusst werden. Egal, ob du selbst unterdr├╝ckst, was vielleicht unbewusst stattfindet, oder wo du selbst wie fremdgesteuert zu sein scheinst. Es ist interessant da einmal hineinzusp├╝ren."

Pl├Âtzlich kamen G├Ąste, John war wie gebannt und f├╝hlte sich sehr seltsam. Er schaute auf, den Blick weg von der Karte und hin zu den kommenden G├Ąsten gerichtet. Die Zeit schien still zu stehen und pl├Âtzlich wurde ihm einiges klar. 

Dieser Job hier unterdr├╝ckte ihn, und er wusste eigentlich ├╝berhaupt nicht wirklich, warum er hier als Kellner arbeitete. In ihm stecken soviele andere Qualit├Ąten und Talente. 
Nun musste er aber erstmal wieder zu seinen G├Ąsten und entschuldigte sich bei Maria. Er hatte nun zu tun, Fr├╝hst├╝ck zuzubereiten und Kaffee zu servieren. 
Aber er tat es anders, ganz anders als sonst. Was ist mit ihm passiert? Es ging ihm einiges durch den Kopf, doch es str├Âmte mit den Gedanken ein kleines Freiheitsgef├╝hl mit, dass ihn sich leicht und lichtvoll f├╝hlen lie├č. 
Maria l├Ąchelte ihm zu, nippte an ihrem Cappuccino und sa├č einfach nur da und beobachtete ihn.

John lief von Tisch zu Tisch, doch er konnte sich ├╝berhaupt nicht mehr konzentrieren. Er war verwirrt und wollte einfach nur noch bei Maria sitzen und mit ihr weiter reden. 

Maria l├Ąchelte ihm zu, als seine Augen sie suchten. Sie sa├č da und l├Ąchelte einfach nur, sie war v├Âllig entspannt und schmunzelte in sich hinein.

John wusste, er ist immer wieder neu an einem Punkt, an dem er ├╝ber sein Leben nachdenken und vieles ver├Ąndern muss, doch vor allem, sich selbst endlich mal Wahrnehmung muss. Er ist mittlerweile 40 Jahre alt und wei├č nicht, wer er ist. Alle Menschen,  die er kennt, hatten einen LebensPlan, Kinder, Karriere etc. John hat ├╝berhaupt keinen Plan. Er lebt so vor sich hin und doch ist er nicht ungl├╝cklich. "

"Sie haben die Milch vergessen", sagte ein Gast und deutete auf ihren Kaffee. "Ich hatte sie doch gebeten, mir ein K├Ąnnchen mit frischer Milch zu bringen.

"John wurde aus seinem Tagtraum herausgerissen und antwortete freundlich: "Aber ja nat├╝rlich, bitte haben Sie noch einen Moment Geduld, ich bin gleich wieder da.

"Er ging in die K├╝che, ├Âffnete den K├╝hlschrank und holte die Milch heraus, dabei viel ihm die Milcht├╝te aus der Hand und er versch├╝ttete das gute Bioprodukt.

Doch er reagierte ganz gelassen und beobachtete den "Lauf" der Milch und hatte pl├Âtzlich eine entz├╝ndene Idee.


KAPITEL II

John stand pl├Âtzlich nur da, fast wie erstarrt, so sehr durchblitzte ihn diese Idee. Er hatte sie wohl schon so lange mit sich herumgetragen. Durch die Symbolik der versch├╝tteten Milch, die ein Kunstst├╝ck auf dem Boden darbot, ist es ihm pl├Âtzlich sonnnenklar. 

John sprach leise zu sich selbst: Heilige Milch, ich danke dir. Die Milch lief in alle Ecken und Ritzen des Bodens und bildete eine spiralf├Ârmige Show auf dem Fu├čboden, der ziemlich uneben war, weshalb sich die Milch so zauberhaft verteilen konnte. Am Ende floss alles in die kleinen Mulden, die jetzt erst erkennbar waren. John dachte gar nicht ans Saubermachen, sondern beobachtete einfach den Verlauf der Milch als w├Ąre er in tiefer Meditation. V├Âllig hypnotisiert von dieser eigentlich unschicklichen Angelegenheit. 

Die Milch, dachte er bei sich, ist doch das Symbol des Lebens. Es ern├Ąhrt das junge Leben, egal ob Mensch oder Tier. John f├╝hlte sich selbst wie diese Milch, die erst "versch├╝ttet" werden musste, sich also verteilen musste um ein Kunstst├╝ck zu fabrizieren. 

Er f├╝hlte sich n├Ąmlich schon lange, wie in einer Milcht├╝te gefangen. Soviel Leben geb├╝ndelt in einer Packung und im K├╝hlschrank versteckt. Ihm war klar, dass es nur ein Symbol war, doch dadurch sp├╝rte er, dass er sich selbst schon lange entfalten wollte, doch er wusste einfach nicht wie. 

Daf├╝r musste ersteinmal etwas fallen gelassen werden. Jetzt "fiel" ihm soviel ein, was, losgelassen werden wollte. 

Als erstes, so dachte John, sollte er seine Angst loslassen und in Mut verwandeln. Da sitzt nun diese zauberhafte Frau und er hatte schon wieder Angstschwei├č auf der Stirn und in seinen H├Ąnden und lie├č wohl deshalb auch die Milchpackung fallen. Sie fluschte geradezu aus seiner Hand, weil auch diese sehr feucht war. 

Oft traute er sich schon nicht, Menschen die Hand zu geben, weil er so feuchte H├Ąnde hat. Ganz schlimm ist es, wenn er eine Frau attraktiv und interessant findet und sich absolut nicht traut, ihr zu n├Ąhern. Und jetzt ist es wieder genau so eine Situation, dachte er. Was soll er nur machen? Zuerst einmal die Milch aufwischen, dachte er bei sich und schmunzelte trotz Aufregung in sich hinein.


KAPITEL III

15.05.2018


Er nahm einen Lappen aus dem Schrank, tr├Ąnkte den Lappen ins Wasser und wischte die Milch auf, bis der Boden wieder blitzblank war. Er stellte die Utensilien zur├╝ck, nachdem er sie saubergemacht hatte, wusch sich die H├Ąnde und ging zur├╝ck auf die Terrasse. 

Maria wartete immer noch auf ihre Milch. John kam aber ohne Milch zur├╝ck und hatte komplett vergessen, warum er ├╝berhaupt die Milch aus dem K├╝hlschrank holte, so sehr war er in seinen eigenen Gedanken versunken.

John wusste wirklich nicht, was das wieder alles zu bedeuten hatte, doch diesmal wollte er sich keine Gedanken machen und endlich einmal seinen Kopf ausschalten. Er entschloss sich, nur noch seiner Intuition zu folgen und keinen ├Ąu├čeren Einfl├╝ssen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Er hatte einfach die Nase voll vom Denken und Wollen. Er will nicht mehr denken und er will auch nicht mehr wollen. 

Jenseits von allem Gedachten und Gewollten liegt seiner Meinung nach von jetzt an sein neuer Weg. Es ist ein Weg nach innen, obwohl es ein Weg nach "drau├čen" ist. Raus aus alten Vorstellungen, denn alle Vorstellungen stehen ja "davor", vor dem, was wirklich real ist, wirklich wirklich ist. Nun gilt es diese Wirklichkeit wahrzunehmen, ungeschminkt, ein Blick "hinter die Kulissen" und nicht mehr "davor".

Er ist ganz aufgeregt gerade, dass er "es" f├Ârmlich sp├╝ren kann, das Neue, das Wirkliche, das Au├čergew├Âhnliche, aus dem Gew├Âhnlichen heraus.


4.10.2023

W├Ąhrend er so vor sich hinphilosophierte, fragte Maria: "Wo haben Sie denn meine Milch? ". John f├╝hlte sich ertappt und sagte leise: " Die hab ich versch├╝ttet und dann vergessen. " Dabei stand er ganz ruhig vor ihr und dachte bei sich. Ist doch sowieso jetzt egal, denn er f├╝hlte pl├Âtzlich einen Druck in der Brust, der ihn weiter sagen lie├č: " Haben Sie heute Abend schon was vor? "

Maria lachte und antwortete: "Nein, aber nur wenn ich nun endlich meine Milch bekomme" und grinste ihn an. 

John nickte und ging zur├╝ck in die K├╝che. 

Es gab keine Milch mehr und so verlie├č er kurz das Caf├ę und wollte gegen├╝ber im Supermarkt Milch kaufen. Da er wie in Trance ├╝ber die Stra├če lief, ├╝bersah er das gelbe Auto, das viel zu schnell um die Ecke angerast kam. 

Er war auf der Stelle tot. 


Es war ganz still auf der Stra├če. Menschen versammelten sich um die Stelle der Stra├če, auf der John nun da lag, friedlich mit einem L├Ącheln auf dem Gesicht. Alles stand still, als h├Ątte man einen Film angehalten.

John wurde von einem herbeieilenden Arzt, der gegen├╝ber in einem Restaurant sa├č und den Unfall beobachtet hatte f├╝r tot erkl├Ąrt.

Es dauerte lange, bis der Krankenwagen kam und John mitnahm. Doch im Krankenwagen war es, als w├╝rde John wach werden. Er starrte auf die Not├Ąrzte, die noch versuchten,  sein Herz zu reanimieren. 

John versuchte zu sprechen, doch er bekam keinen Ton heraus. Pl├Âtzlich f├╝hlte er sich selbst neben dem Notarzt sitzen und seinen K├Ârper auf der Liege liegen. Er erschrak, was passierte da gerade mit ihm? 

Der Notarzt schaffte es mit gro├čer Anstrengung, dass sein Herz wieder schlug und sagte: "Ich hab ihn. " Doch John sa├č immer noch neben dem Notarzt und verstand nicht, wieso er seinen K├Ârper dort liegen sah. Er betrachtete sich selbst und schaute an sich hinunter. Er sah genauso aus, wie sein K├Ârper, der gerade reanimiert wurde. 

Was ist geschehen, fragte er sich und sprach es auch laut aus, doch niemand h├Ârte ihn. Er sprach immer lauter und stellte sich vor den Notarzt. Doch dieser schaute durch John hindurch und schrie etwas wie: "Mannometer, das war knapp. "

Doch dann h├Ârte Johns Herz wieder auf zu schlagen. Der Notarzt versuchte nun wieder mit Elektroschocks das Herz zu reaktivieren, doch es war vergebens. Er fluchte und Schwei├čperlen liefen ihm ├╝bers Gesicht. 

John, oder besser der gesagt, diese Energie John sa├č verzweifelt vor der Liege auf dem sein K├Ârper lag.  V├Âllig ersch├Âpft legte er sich auf den Boden des Krankenwagens. Er lag einfach nur so da bis der Wagen in die Krankenhaus Notaufnahme fuhr. Als das Auto anhielt, erschrak John und richtete sich wieder auf. 

Als die Krankenwagent├╝r sich laut ├Âffnete beobachtete John, wie "er selbst" im Krankenhaus verschwand. Er blieb im Auto sitzen und seufzte: "Was um Himmels Willen passiert hier gerade? "


KAPITEL IV

9.10.2023

Es ist genau 12 Uhr Mittag. John schaute auf die Uhr im Krankenwagen. Er hatte seine Schicht um 7 Uhr in der Fr├╝h begonnen und verlor in der Begegnung mit Maria die Zeit. Wo waren die letzten Stunden geblieben? Was ist mit ihm passiert? Er erinnerte sich, dass er um 9:30 Uhr in die K├╝che des Caf├ę's ging, um dort die Milch zu holen, die er dann versch├╝ttet hatte. Die Uhr auf dem Backofen zeigte an, wie sp├Ąt es war. Als er dann hinauslief, um neue Milch zu kaufen, musste er die Stra├če ├╝berqueren. Er hatte das auf ihn zu fahrende Auto kommen sehen und pl├Âtzlich war es, als ginge das Licht aus.  Alles war dunkel um ihn herum. Erst als er im Krankenwagen lag, war er wieder bei Bewusstsein. 

Er sah sich selbst auf der Liege liegen, w├Ąhrend der Notarzt versuchte, ihn zu reanimieren. Es f├╝hlte sich dann so an, als "fl├Âge" er wie ein Geistk├Ârper um seinen physischen Leib herum und hatte keine Ahnung, wie das passieren konnte. Es war, als h├Ątte er 2 K├Ârper. Der eine lag nun dort an den Maschinen und zwischendurch schlug auch sein Herz wieder. Doch er f├╝hlte sich so seltsam, denn seine Wahrnehmung war anders als im physischen K├Ârper. Er f├╝hlte oder nein besser, er las, was die ├ärzte dachten, er konnte ihre Emotionen sp├╝ren. Die Aufregung, die Angst, die Freude, als sein Herz wieder schlug. Es war, als sei er selbst dieser Arzt. 

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