MondNovelle - 7 STUNDEN ... oder das Mädchen von Manerola

 

7 STUNDEN ...

... oder das Mädchen von Manerola 


Novelle von Anja Mond - MondGeschichten


Wenn Euch meine Geschichten gefallen, freue ich mich über eine Spende für meinen eigenen
MondVerlag:



Ich wünsche Euch viel Inspiration beim Lesen:


KAPITEL I





Sara saß am Hafen von Manerola in ihrem Lieblingscafé und starrte auf ihren Cappuchino.

Der Himmel färbte sich orange-rot, da die Sonne gerade untergegangen war, so auch ihr wunderbares Lächeln. Sie ist eine bezaubernde Persönlichkeit mit langen blonden Haaren, die sich von Tag zu Tag auf eigene Weise veränderten.

War die Luft feucht, wellten sich ihre goldenen Locken wie lustige Luftschlangen. Doch manchmal, wenn es sehr heiß ist, bekommt ihre Haarpracht eine gewisse strenge Würde, die sie zu einer unnahbaren Erscheinung werden lässt. 

So unberechenbar wie das Wetter ist auch ihr Gefühlsleben. In dem Licht der untergehenden Sonne schimmern ihre Haare rötlich, und nun sind sie von einer weichen und sanft lockigen Beschaffenheit, die dem Kellner vor lauter Beobachtung derselben das Tablett aus der Hand fallen ließ. 


 „Oh Pardon“ sagte er und schaute in ihr Gesicht, es sah traurig aus. Als er in ihre Augen blickte, versank er in diesen unendlich tiefen Brunnen weiblicher Energie. Doch plötzlich erhellte ihr Gesicht und sie lächelte: „Warum arbeiten sie eigentlich noch, wenn sogar die Sonne schon Feierabend hat? Fragte sie ihn verschmitzt und ihr gesamtes Antlitz schien augenblicklich zu erstrahlen.


Der Kellner schaute in ihre wunderschönen haselnussbraunen Augen und bemerkte einen kleinen grünen Fleck in der Iris ihres rechten Auges. Er fragte sie mit gleichem witzigem Charme zurück während ein zuvor aufgekommener Wind eine Mülltonne umblies. „Und warum hat ihr rechtes Auge einen grünen Schimmer, der sie zu einer ungewöhnlichen Frau mit einer ungewöhnlichen Sichtweise macht?“ 

Sie lächelte zurück und sagte: „Ungewöhnlich war ich schon immer, die Sichtweise oder besser gesagt, der Blickwinkel, von dem ich die Dinge und das Leben aus betrachte, wurde mir durch ganz besondere Situationen in meinem Leben bewusst. Der etwas verwirrte Kellner hob die Mülltonne auf, schaute sie ein wenig fasziniert aber doch etwas verwirrt an und fragte sie: 

„Ich habe jetzt Feierabend, wollen Sie mit mir und der Sonne, die ebenfalls schon zu Hause ist zu Abend essen? Dann dürfen Sie mir erzählen, warum sie lustig und traurig zugleich sind. Sara fühlte sich ertappt und doch unglaublich zu dem Kellner hingezogen. Er hatte eine umwerfende Ausstrahlung gekoppelt mit einem perfekten Körper: „Ich heiße John“, sagte er,, und Du bist bestimmt nicht von hier.“ 


„Wir sind alle nicht von hier“ sagte sie. „Aber wir hatten Lust mal etwas ganz Verrücktes zu tun.“ John schaute sie nun noch verwirrter an.“ Also, wen meinst du mit wir? Aber ich muss schon zugeben, dass ich ein wenig verrückt nach dir bin. Aber das hast du jetzt sicher nicht gemeint.“ Sara lächelte: „Ich erzähle es dir, wenn du heute Abend 7 Stunden Zeit für eine Geschichte hast.“ 



„Wieso denn nur 7 Stunden“, fragte John. Ich weiß jetzt schon, dass ich mit dir mein Leben verbringen möchte. Sie erwiderte allerdings: „Du musst es erst schaffen, mir 7 Stunden zuzuhören und auch verstehen, was ich dir sage. Erst dann bist du in der Lage, mit mir zu leben. Und ich werde dich dann auch nie mehr verlassen, denn ich weiß, dass du schon lange nach mir rufst.“

 „Na ja“, sagte John, 7 Stunden sind ja nicht viel. Aber damit ich ganz lange etwas davon habe, würde ich gerne jeden Tag eine Stunde bei Dir sein. Damit du dich auch an mich gewöhnst und danach auch nicht mehr von mir lassen kannst. John dachte, dass es eine leichte Sache sein wird, denn er war und ist ein guter Zuhörer. Beide schauten sich still an und wussten, dass etwas Wunderbares passieren wird. 

Sara verabschiedete sich von John und sagte: „Ich treffe dich, noch bevor du weißt, wo wir uns begegnen werden.“ Sie ging und hinterließ keinen Hinweis darüber, wo sie sich mit ihm treffen wollte. Er rief ihr nach: „Halt, was soll das heißen, ich weiß doch gar nicht, wie ….“ Er verstummte, denn sie war plötzlich nicht mehr zu sehen. Sie hatte sich in Luft aufgelöst, wie kann das sein? Er rannte ihren Weg mehrmals ab, versuchte ihr Parfüm zu erhaschen, sie roch so wundervoll nach einer Brise Sommerwind – gemischt mit einem frischen Blumenstrauß. 



Sie war wie eine Blume, zart, bunt, einfach wunderschön. Aber er versuchte vergebens etwas von ihr zu verspüren. Er vernahm nur ein ungeheueres Glücksgefühl, das ihn überwältigte und setzte sich erst einmal auf eine Bank. Er musste an einen englischen Komiker denken, der einmal sagte: das Leben sei wie ein Theaterstück, nur ohne Probe. Ja, so fühlte er sich nun. Völlig hilflos! 


Als er so auf dieser Bank saß, versank er in einen tiefen tranceartigen Schlaf. Sein Kopf sank etwas nach vorne, sein Nacken entspannte total und er schien seine Gesichtsmuskeln so sehr zu entspannen, dass es urkomisch aussah, und plötzlich lächelte er. Er öffnete die Augen, da stand sie vor ihm. Sara, noch schöner, noch weicher in ihren Gesichtszügen, in einem blumigen, fast durchsichtigen Sommerkleid, was aber lediglich ihre wohlgeformten Beine zu erkennen gab. Sie sagte: „Die erste Stunde ist gekommen, bist Du bereit?“ 


John konnte kaum antworten, so atemberaubend schön sah sie aus. Doch er nickte und strahlte übers ganze Gesicht. Er hauchte ein „Ja natürlich“ und schaute ihr tief in die Augen. „Nun“ sagte Sara, „dann komme mit“ und nahm seine Hand. Er fühlte sich wie von einer Feder berührt und spürte seinen Körper kaum. Auch er war so leicht, wie eine Feder geworden und ließ sich von ihr führen. 


Er bemerkte, dass sie beide schneller als die umherwandernden Menschen waren, so als würden sie fast schweben, doch ihre Füße berührten noch den Boden. Aber es kam ihm vor, als würde er von einer starken Kraft gezogen. In wenigen Sekunden, so kam John vor, waren sie am Strand. 


Er blickte auf das türkis farbende Meer, was sich in kleine mit Schaumkronen besetzte Wellen unterteilte und wie eine Begrüßung aussah, so als würde das Meer zum ihm sprechen und sagen: „Schön, das du da bist.“ Und diese Worte sprach dann auch Sara aus: „John“, schön, dass du da bist.“ Er schaute sie verwirrt an und bekam kein einziges Wort heraus, er staunte nur. Er spürte den Wind und fühlte sich unendlich wohl. Sara bat ihn sich doch mit ihr in den Sand zu setzen. 


Sie beide versanken im Sand und schwiegen für ein paar Minuten. Dann sagte Sara: „Das, was du jetzt spürst, ist deine dichteste Hülle, dein Körper, dein Element Erde, aus dem wir hier auf Erden gemacht sind. Er verhilft dir zu einem guten Kontakt zur Mutter Natur und schenkt dir deinen Geruchsinn. Spüre, was es mit dir macht, hier auf der Erde, im Sand zu sitzen … 


John spürte erstmals seinen Körper wieder. Bis eben war er wie Luft, doch jetzt erwachte seine Schwerkraft wieder und er genoss diesen Kontakt zur Erde zum feinen, fast weißen Sand und grub seine Füße noch weiter in den Boden. „Spürst du ihn? Fragte Sara? Spürst du deinen Körper? Fühlst du den Sand? Tauche ganz tief in diesen Sand hinein und versuche mit jedem Atemzug, noch tiefer in ihn hinein zu versinken. 


Lass immer mehr los und du spürst eine tiefe, angenehme Schwere, die dich immer weiter nach unten zieht. Genieße es und schließe deine Augen. Atme tief, rhythmisch und entspannt und lasse immer mehr los. Spüre das Hier und das Jetzt“ flüsterte sie, „denn es ist unmöglich die Gegenwart zu sehen. Die Gegenwart ereignet sich, verwandelt sich durch eine zerstreuende Energie in eine Lichtexplosion, und dieses Licht erreicht dann deine Rezeptoren – deine Augen. Dazu braucht es Zeit. Während das Licht dann zu dir unterwegs ist, geht das Leben weiter, bewegt sich weiter. Das nächste Ereignis findet statt, während das Licht des vorangegangenen Ereignisses bei dir anlangt.“ 

 

John entspannt immer mehr und lauscht ihrer sanften Stimme, er fällt in eine tiefe Trance und ist doch ganz aufmerksam. „Du kannst es wahrnehmen, dieses Lichtereignis“, flüstert sie weiter, „tauche tief hinein in dein Inneres, vergiss alles um dich herum, denn auch ich bin nur eine Imagination von dir. Je mehr Distanz du zwischen deinem Selbst und dem physischen Ort eines jeglichen Ereignisses legst, desto weiter zieht sich dieses Ereignis in die Vergangenheit zurück. Alles, was du dir anschaust, hat sich vor sehr langer Zeit ereignet. Aber eigentlich hat es sich nicht vor langer Zeit ereignet. Die physische Distanz hat nur die Illusion von Zeit geschaffen und dir erlaubt, dein Selbst als „Hier und Jetzt“ seiend zu erfahren, während du „dann dort bist“. 


John hört genau zu, auf seltsame Art und Weise spürt er, dass sie recht hat, warme Schauer durchfluten seinen Körper und er taucht immer tiefer in eine tranceartige Entspannung, die er noch nie in seinem Leben so erlebt hat. Saras´Stimme wird immer leiser, es ist fast keine Stimme mehr.


„Eines Tages wirst du sehen, dass sich alles „Hier und Jetzt“ ereignet! Nichts, was du siehst, ist wirklich. Es ist Deine persönliche Interpretation, nenne es „Einbildungskraft“. Und das besondere ist, du interpretierst nicht nur Energie, sondern erschaffst sie auch! Du stellst dir in deinem Geist etwas vor, und es beginnt eine physische Form anzunehmen. Je länger du es dir vorstellst, umso physischer wird diese Form, bis diese Energie buchstäblich in Licht ausbricht und ein Bild von sich in das hineinschickt, das du Realität nennst. Dann siehst du das Bild und entscheidest wieder einmal, was es ist. So setzt sich der Kreislauf fort. 


Und genau das hast du getan, lieber John“, sagte sie überzeugend: „Ich bin dein Gedanke, und du hast mich gedacht, weil du etwas erfahren möchtest. Stimmt es, dass du dich in der letzten Zeit gefragt hast, wer du eigentlich bist?“ „Ja, genau“, woher weißt Du das, fragte John verdutzt und lächelte sie erstaunt an. Ein Gedanke in Deinem Traum. Du lebst in einem ewigen Traum, du träumst, bist der Geträumte und erschaffst dir deinen Traum. 


Die Frage ist, wann wachst du auf? John denkt, dass er gerade niemals aufwachen will … aus dieser Trance. Wenn es auch eine Trance in einem Traum sein soll. Ein wunderschöner Traum. Ach könnte sie nur ewig so weiter flüstern … doch als er seine Augen aufmachte, war sie fort.


Warum war sie fort, dachte John. Er roch noch den zarten Duft ihrer Haare, als hätte sie in einem Blumenmeer mit Jasmin gebadet. John war noch ganz benebelt, Sara hatte ihn völlig hypnotisiert und er konnte seine Glieder kaum bewegen. Doch er fühlte sich rundum wohl, spürte eine Leichtigkeit, die er zuvor noch nie erlebt hatte. Was hat sie bloß mit ihm gemacht? Ihn verhext? Ist sie eine Hexe, ein Engel? Während er so vor sich hinträumte, bemerkte er, dass er dort die ganze Nacht gelegen hatte, der Himmel war zwischenzeitlich rosarot geworden, die Sonne will aufgehen. Da saß er nun, völlig versunken und schaute auf den Sonnenball, der langsam hinter den Hügeln emporstieg. 


Er starrte fast – ohne zu blinzeln – auf diesen heißen Kraftball, hellrot, orange, gemixt mit einem Hauch gelb und es schien, als umgäbe die Sonne noch weitere Farben. Ja, auch um die Sonne herum waren viele viele Farbringe, teils sahen sie wie Herzen aus, teils waren es leuchtende kleine Feuerbälle. Wow, dachte er, irgendwie ist nun alles anders, was ist das für ein Gefühl, ich kenne es nicht, überlegte er in voller Freude. Er spürte die Sonne auf seinem Gesicht, er musste lächeln, denn es fühlte sich so an, als würde sie mit ihren warmen Händen über sein Gesicht streicheln. „Na“ sagte sie, „bist Du schon wach?“ Er dachte, er träumte, doch da stand sie vor ihm. Als wäre sie eben aus einem dieser strahlenden Feuerbälle entsprungen. 


Sie lächelte, wieder so ein Lächeln, was in ihm die gleiche Hitze auslöste wie die wärmende Sonne, die mittlerweile in ihrer vollen Pracht am Himmel stand und die beiden im schönsten Licht beleuchtete. John versuchte etwas zu sagen, doch er bekam kein Wort heraus. So saßen sie beide einfach nur da, Saras Hände berührten immer noch sein Gesicht. Dann fuhr sie mit der rechten Hand über seine Stirn. Die linke ruhte auf seiner linken Wange. Mit ihrem rechten Daumen presste sie leicht den Punkt zwischen seine Augenbrauen und plötzlich zuckte er zusammen. Er hatte die Augen geschlossen und sah sich selbst in einem priesterlichen Gewand irgendwo in einer prachtvollen Kirche, doch wer ist das, er konnte es doch nicht sein, und vor allem, wo ist das, was macht er dort, wenn er es tatsächlich sein sollte. Er riss seine Augen auf und schaute in ihr jetzt nicht mehr lächelndes Gesicht. Sie schaute plötzlich etwas traurig aus, doch in dem er dies dachte, sprach sie: 


„Hast Du Dich gesehen?“ Er stutzte, wie konnte sie das wissen? „Was meinst Du“ fragte er, er verstand ja selbst nicht, was da gerade passierte. Er traute sich auch nicht wieder die Augen zu schließen und meinte dann: „Wer bist du?“ Sara lächelte nun wieder, und antwortete: „Das wirst Du noch herausfinden“ und nahm ihre Hände von seinem Gesicht, das jetzt gerade zu glühen schien. Er zuckte leicht zusammen und da er die ganze Zeit etwas starr gesessen hatte, sackte er völlig in sich zusammen und versuchte, seine Gedanken zu sortieren. Doch er spürte wieder diesen warmen Sand und streckte dann alle Viere von sich und atmete tief durch … er schlief ein. Sara beobachtete ihn, strich ihm noch einmal über die Stirn und legte sich dann neben ihn. 


Die Sonne war nun aufgegangen und ein warmer Wind deckte die beiden zu. Auch Sara träumte vor sich hin, doch ihr Traum ist kein Traum. Sie weiß um ihre vorherigen Leben, und nun hat sie einen alten Weggefährten getroffen.  



 

 KAPITEL II




John zuckte zusammen, er erwachte aus seiner Trance, war es eine Trance, nein, es war, als hätte er soeben die Worte „Auf Wiedersehen“ vernommen … aber Vater Lorenzo? Wer ist das? War er das? Das kann nicht sein, er schaute sich um, lag immer noch im Sand, doch er war nun völlig aufgewühlt und hatte keine Ahnung mehr, wer er war und wo er war. Sara, wo ist Sara, dachte er, doch niemand war in der Nähe. 


Er war völlig verwirrt und versuchte aufzustehen. Langsam streckte er sich nochmal, um wieder Blut durch seine Adern fließen zu lassen und erhob sich, schüttelte sich den Sand aus seiner Kleidung und blickte aufs Meer. Es war totenstill, keine einzige Welle war zu sehen. Er ging langsam ans Wasser und befeuchtete sich sein Gesicht, versuchte, klar, ganz wach zu werden. Doch irgendwas blieb, ein komisches Gefühl, eine völlig neue Dimension seines Bewusstseins schien ihn gerade zu durchfluten. Ihm fiel ein, dass er heute Abend noch ein Konzert geben muss. 


Neben seiner Kellner-Tätigkeit machte er Musik, spielte Klavier und hatte viele Möglichkeiten gefunden, seinem ungewöhnlichen Talent Ausdruck zu verleihen und plötzlich war alles wieder ganz klar. Er dachte, es sei alles nur ein blöder Traum gewesen. Diese Frau, Sara, der Priester … alles komplett erträumt. Nichts von dem kann real gewesen sein, oder doch? Nun, er hatte nun keine Zeit mehr darüber nachzudenken. Er rannte förmlich nach Hause. Doch irgendwas war an ihm, er konnte es sich nicht erklären. Es sei, als umhülle ihn ein samtiges Tuch … weich, nach Jasmin duftend … aber wie kann das sein? Er hielt kurz inne, als er an seinem Appartement angekommen war und berührte seine Haut. Denn nur an den Stellen der Haut fühlte er einen seltsamen aber angenehmen Druck … 


Er schloss die Tür auf und ging ins Haus. Es lag an einem großen Teich, nicht weit von der Stadt und dem Café, in dem er als Kellner arbeitete. Als er in die Wohnung kam, zog er sich die Schuhe aus, die noch voller Sand waren und setzte sich auf seinen Lieblingssessel, er hatte einen zauberhaften Sessel, in dem er oft davon träumte, einmal ein großer Konzert-Pianist zu werden … und plötzlich durchströmte ihn ein Gefühl von Wärme und Zartheit, was ihn so überwältigte, dass er sich an sein weißes Klavier setzte und anfing zu spielen. Eine Melodie, die direkt aus seinem Herzen kam und er konnte nicht mehr aufhören. Er sah sie, Sara und sie war nur noch in ein Tuch gehüllt, in ein Tuch von hellblauer Seide. 


Aber wer war sie, wo war sie und was sollte er nun tun? Er träumte und spielte, bis er in völliger Trance eins mit der Melodie geworden war. Eine Melodie, die er weder kannte und doch spielte. 18.03.2014 Plötzlich klingelte es an seiner Tür. John öffnete die Tür, doch niemand war da. Er schaute nach links, nach rechts, doch nirgends war jemand zu sehen. Nachdenklich schloss er wieder die Tür und ging in sein Arbeitszimmer, wo sich auch sein Klavier befindet. Auf dem Sofa, was daneben stand, saß sie und er erschrak, als er Sara sah. „Wie bist Du hier hereingekommen“, fragte er, obwohl er es bereits wusste. 


„Bist Du bereit für die nächste Stunde? Eine ist bisher vergangen, wollen wir mit der zweiten beginnen?“ „Was, eine Stunde waren wir erst zusammen“, fragte er erstaunt? Mir ist, als wären es hunderte gewesen.“ Sie lächelte, und dabei sah man ihr feines Grübchen, was wie eine kleine Knospe aussah, eine Knospe des Magnolienbaumes, Johns Lieblingsbaum. Sara sagte sanft: „John, auch wenn Zeit und Raum eine Illusion sind, so haben wir dennoch erst eine Stunde miteinander verbracht. Also, bist Du bereit? John setzte sich ans Klavier und spielte eine Melodie, die er kurz vorher geschrieben hatte. Ohne zu wissen, woher diese Melodie kam, wusste er intuitiv, dass Sara sie ihm zugeflüstert haben musste, denn diese Melodie hatte die Süße ihres Lächelns und den Klang ihrer Stimme. 


Er nannte dieses Stück „Tausendundeine Nacht“ und er war wie betäubt, als sie nun einfach da saß und ihm und seinen Klängen lauschte. Doch plötzlich verwandelte sich sein Glücksgefühl in eine Panik, er hörte sofort auf zu spielen und sagte laut: „Verlasse sofort diese Kirche, sie ist kein Ort für Menschen wie dich.“ Sein Klavierspiel verstummte und er hatte Schweißperlen auf der Stirn. Sara trat auf ihn zu und hielt sein Gesicht in ihren Händen. Plötzlich starrte er sie an und erinnerte sich. Er sagte leise zu Sara: „Ich bin Priester und darf dich nicht sehen.“ Sara sagte, „nein, du warst Priester und nun bist du hier in Manerola.“ John wusste plötzlich, dass er diese Vision schon einmal vorher hatte und begriff, dass er soeben wieder eine Rückschau erlebte, ja er erinnerte sich ganz klar. Ohne darauf einzugehen fragte Sara: 


„Bist du bereit für die zweite Stunde?“ John erwiderte: „Ja, aber bitte erkläre mir, was da mit mir passiert ist.“ Sara flüsterte: „John, wir kennen uns schon sehr sehr lange, nur hast du mir nie zuhören wollen, obwohl meine Worte für dich so wichtig gewesen wären. Du hattest nur an dein System geglaubt, dein Herz verloren und starbst in vollkommener Leere. Damals in einer Kirche in Rom. Deine letzten Worten waren: „Ich werde dich finden und töten.“ Und plötzlich war John wieder in der Kirche, Pater Lorenzo, er versuchte diese Zigeunerin aus der Kirche zu vertreiben, doch kurz bevor sie am Ausgang war, drehte sie sich um und schaute ihm in die Augen. Sie sah seine Liebe, doch sie verstand es nicht, er hatte Augen wie ein Liebender und Worte wie ein Mörder. John spürte nun wieder Saras Hände, diesmal streichelte sie seinen Kopf, sie bewegte ihre Hände wie bei einer sanften Massage, ihre Finger kreisten um seine Schläfen und er genoss so sehr ihre Berührung, dachte er doch dabei, dass er es schon einmal so erlebt hatte. 


Er konnte für sich nicht klären, was da gerade mit ihm geschah, Saras Finger waren so weich und glitten nun über sein Gesicht, sie berührte seine Stirn, seine Nase, seine Wangen und sein Kinn, sie fuhr mit ihrem Zeigefinger über seine Nase und John entspannte so sehr, dass er die Augen schloss und nichts mehr denken konnte. Er wusste nicht, wer Sara war, doch noch viel weniger wusste er, wer er selbst war. Er fühlte nur ein unsichtbares Band, was ihn mit Sara nun zusammenzuschnüren schien. Ja, es fühlte sich für ihn an, als würden beide nun gefesselt werden. Er öffnete plötzlich seine Augen und tatsächlich sah er ein hellblaues Tuch, was sie um ihn und sich selbst geschnürt hatte. Ein Tuch aus Seide, er erschrak nicht, doch fragte sie leise, was sie da machte … Sara hielt seinen Mund mit ihren Händen zu und er vernahm ein leises „Sch … 


„ John und Sara waren nun in ein endloses hellblaues Tuch gehüllt, es fühlte sich für John so an, als sei er geborgen, getragen und gehalten, wie noch nie in seinem Leben und nun fragte er sich wieder, was hier eigentlich passiert, da hörte er Sara leise sprechen, es war ihm, als käme diese Stimme aus dem Weltall. John“ sagte sie, nun scheinst Du offen zu sein für eine Erfahrung, die dir in deinem Leben schon immer gefehlt hat. Als Priester hattest du damals keine Lebensfreude empfunden, warst in einem System gefangen, was dir zwar Stille aber keinen Frieden brachte, du glaubtest Gott zu dienen, doch du hast nur dir selbst gedient. Jede Art von Berührung war dir fremd, hast du verschmäht und abgelehnt, aus Angst, Gott untreu zu werden. Dabei hattest du dich selbst betrogen. Unser Körper ist wunderbar, er besteht aus so vielen Elementen und Energiefeldern, ich erzählte dir von deinem Energiefeld des Wurzel-Chakras, was mit dem Element Erde in Verbindung steht, dem Geruchsinn zugeordnet ist und für die gesamte stabile Struktur in Deinem Leben zuständig ist. 


Das Wurzel-Chakra in deinem Körper ist überaus stark ausgeprägt. Dieses Energierad dreht sich in unglaublicher Stärke und hat dich so stark gemacht, wie du jetzt bist, doch … heute will ich dir von deinem 2. Chakra, deinem Sakral-Chakra erzählen. Es ist das Chakra der Lebensfreude, des Genusses, der sinnlichen Liebe, der Partnerschaft, der absoluten Bewegung. Alles, was fließt, sowohl in deinem physischen als auch in deinem psychischen Körper wird von dem Sakral-Chakra beeinflusst. Es ist das sinnlichste Chakra und demnach auch das Chakra des Lebens. Du spürst dieses Tuch jetzt, du spürst mich, du spürst aber nicht dich selbst, du spürst schon lange gar nichts mehr, stimmt´s? 


Im Sakral-Chakra geht es nicht um irgendetwas Vernünftiges, sondern es ist das Chakra der Unvernunft, des Genusses, der Sinnlichkeit. Du sollst nun all deine Gedanken ausschalten und nur genießen, spüre mich und dich, denke nicht, fühle nur. Alles ist gut und unschuldig, das hat du nie so gelernt, denn als Priester war es eine Sünde, und du hast viele Menschen töten lassen, aus Angst, dieses Gefühl einmal selbst erleben zu müssen. Das Gefühl der Freude, das Erlebnis der Sinne. Du hast es verschmäht, eine einfache Berührung, selbst von einem unschuldigen Menschen hast du als Teufelswerk betrachtet. Ich war damals die Zigeunerin und hatte eine Botschaft für dich, doch du warst blind und wolltest mich am Ende töten, doch so weit kam es gottseidank nicht, denn du spürtest etwas, was dir bis dahin unbekannt war, es war die zarteste Berührung einer Frau, die sich einfach nur erlaubt hatte, dir zum Abschied eine Umarmung der besonderen Art zu schenken. Als du damals diese Zigeunerin aus der Kirche geworfen hattest, passierte etwas, was du nie in deinem Leben und in den Leben danach vergessen hast. Und plötzlich stand John wieder in der Kirche und sah wie diese junge Frau an der Kirchentür stehen blieb. Sie drehte sich noch einmal um und er stand nur da, doch plötzlich nahm er sie in den Arm, sagte kein Wort, sondern hielt sie nur fest... 

Sie standen ein paar Minuten so da und er bemerkte, wie sein Herz glühte, sein ganzer Brustkorb im Bereich seines Herzens war heiß wie eine Lava, die eben aus dem innersten eines Vulkanes emporsteigt. Saras Herz war eins mit ihrem ganzen Sein und nahm diese Hitze in sich auf, die sich mit ihrer verband. Es war als verschmolzen beide Herzen miteinander. Eine ganze Weile standen sie so da, schließlich fragte sie ihn: „Spürst du es auch?“ Er sagte: „Ich spüre nichts, nur dass mein Herz vor Hitze zu platzen droht.“ Doch tatsächlich spürte er sonst nichts. Sein Körper glühte, doch er spürte nichts, sein Gefühlskörper war von seinem physischen Körper getrennt. Sie lösten sich aus der Umarmung und Katharina stand ratlos da. Er blickte sie an und war irritiert. 


Er wollte sie nochmal halten, doch er war wie erstarrt, doch Katharina blickte ihn lächelnd an. Sie wusste, was er brauchte, aber nicht, was er wollte, und Lorenzo war für eine Sekunde dem Erdboden enthoben. Als sie langsam wieder zur Tür ging, rief er ihr leise zu: „Ich werde dich finden und dich töten, du weißt das, also sorge dafür, dass ich dich nie finde...! John spürte das seidige Tuch wie seltsam um seine Brust geschnürt, Sara hielt noch immer sein Gesicht, doch er war wie leer, ausgebrannt und erschöpft. Ihm wurde klar, dass er hier zwischen Welten und Leben hin und herwanderte und zum ersten Mal erlebte, wie er „lebte“, er fühlte etwas, was er noch nie fühlte, nämlich er fühlte sich zum ersten Mal in seinem Leben „berührt“. Er wurde schon oft angefasst, doch noch nie berührt. Er wusste plötzlich, was Sara meinte, ihm war klar, wer Lorenzo war, Lorenzo war immer noch der Teil in ihm, der alles, was mit wahrer Berührung zu tun hat, ablehnt. Lorenzo ist nicht tot. Lorenzo war die andere Seite in Johns Leben. 


Als er das dachte, flüsterte Sara ihm zu: „Nun weißt du alles über das Sakral-Chakra. Bei den meisten Menschen ist es blockiert, weil kaum jemand eine Berührung zulässt. Menschen begegnen sich meist oberflächlich, doch Freude empfindet kaum jemand dabei. Es fließt nicht wirklich, die Sinne liegen brach. Das, was du erlebst als Lorenzo, ist nichts weiter als John in der unbewusste Version. Vergangenheit gibt es nicht wirklich, auch keine Zukunft, alles ist jetzt. Unser Verstand funktioniert linear, das heißt, wir sind im Glauben, alles passiert nacheinander, doch in Wirklichkeit passiert alles jetzt. So sind auch alle Persönlichkeitsanteile da, heute empfinden wir so und morgen so, weil wir nicht nur eine Person sind. 


Wir haben 12 Persönlichkeitsanteile in uns. So hat jeder einen Priester in sich und auch eine Hure, wenn du verstehst, was ich meine? „Nein, sagt John, ich verstehe nichts.“ Sara lächelte und sagte: „Ich weiß.“ John runzelte die Stirn und kratzte sich am Ohr, es war ihm, als hörte er eine Musik in seinem Innern, eine Melodie, die er irgendwo schon einmal gehört hatte. Doch plötzlich war es auch schon wieder still. „Weißt du“, sagte Sara leise, es gibt soviel zwischen Himmel und Erde, was die Menschen nicht verstehen. Es gibt so unglaubliche Sachen im eigenen Innern zu entdecken und diese Reise hört nie niemals auf. Hat man gerade noch gedacht irgendetwas erkannt oder entdeckt zu haben, gibt es schon das nächste Phänomen. Aber nun sprechen wir von deinen inneren Persönlichkeiten. Stelle dir einfach vor, dein ganzes Sein, dein Wesen wäre ein Riesenzug. In diesem Zug gibt es viele Waggons bzw. Abteile. Z.B. gibt es da ein Schlafwaggon, ein Speisewagen und andere Abteile. Nimm einmal an, es gäbe ein Abteil, das deine Persönlichkeit repräsentiert, ein anderes deine Beziehung, eines für die Finanzen, für die Karriere, für die Spiritualität etc. 


Versuche zu verstehen, dass du aus verschiedenen Themenbereichen bestehst, die jeweils in einer bestimmten Lebenszeit genutzt werden. Und jetzt stelle dir weiter vor, es gäbe Menschen, unterschiedliche Persönlichkeiten, die sich in diesen verschiedenen Abteilen aufhalten. 


Es gibt in dir ganz verschiedene Persönlichkeitsanteile, die eben durch diese Personen symbolisiert werden. Dein inneres „Theater“ sozusagen. So kann es z.B. sein, dass „der Priester“ in dir im Schlafwagen sitzt und eine andere Person, wie „die Liebende“ in dir in dem Speisewagen. Vielleicht sitzen auch zwei ganz unterschiedliche Charaktere in einem Abteil und vertragen sich überhaupt nicht. So ungefähr musst du dir deinen ganz persönlichen Raum vorstellen, wir haben ganz unterschiedliche, vielfältige Seiten in uns, manche sind uns bewusst und manche nicht. Wir kennen uns selbst manchmal so wenig bis gar nicht, es sei denn wir fangen an, uns mit uns selbst zu beschäftigen. 


In der Astrologie heißt es, wir werden in dem Moment, wo wir auf die Welt kommen und eigenständig atmen, ein ganz eigenes persönliches Drehbuch im Leben haben. Die Sternenkonstellation am Himmel im Moment der Geburt bestimmt dieses Buch des Lebens, aber im Sinne von „Möglichkeiten“, „Eigenschaften“, „Vorlieben“, „Stärken bzw. Schwächen“, es ist kein Gesetz, nachdem wir zu leben haben, sondern eine Hilfe, uns zu begreifen. Manchmal denkt ein Mensch, er wäre eine Trommel, dabei ist eine Geige, nur mal so als Beispiel. So trommelt er sein ganzes Leben und findet nicht den richtigen Ton, weil er eben eine Geige ist. Irgendwann findet man vielleicht dieses Dilemma heraus und man erlebt de Entdeckung der Geige, oder aber man trommelt sein ganzes Leben lang und findet nicht den richtigen Ton! Oder man denkt man sei ein Elefant, dabei ist man eine kleine, süße Maus. „Du willst mir also deutlich machen, dass ich wohl eine Flöte bin, obwohl ich mich wie ein Klavier verhalte … ach Sara, du bist schon ziemlich kontrabassig“, sagte er entspannt und fühlte sich plötzlich federleicht, denn er wusste, diese Frau eröffnet ihm gerade einen neuen Zugang zu sich selbst. 


Dann setzte sich John ans Klavier und spielte, er spielte eine ganz neue Melodie, die soeben seinem innersten Herzen entsprang und bemerkte nicht, wie es dunkel wurde und als er sich umschaute, Sara verschwunden war. Er spielte weiter und genoss diese zarte Berührung mit der Musik, die ihn alles, was er eben erlebt hatte noch lange nachspüren ließ. Berührung … dachte er, ja, es ist wahr, Berührungen, wirkliche Berührungen hatte er im Leben eigentlich noch nicht wirklich erfahren. John spielte und spielte, Melodien, die er noch nie zuvor gespielt hatte und auch nicht wusste, woher sie kamen, seine Finger wurden wie von Zauberhand geführt und er tauchte in eine tiefe Trance, doch sein Körper war in vollkommener Tätigkeit, weiterhin im Spiel, in der Musik, doch sein Geist enthob sich der Schwerkraft und er landete in einem Feld zwischen Himmel und Erde. Er fühlte sich eins mit seinem Klavier, mit seinem Haus, seinem ganzen Umfeld, er hatte noch nie zuvor so etwas erlebt und wusste auch nicht, was er von nun an denken, fühlen oder gar tun sollte. Er wünschte sich, dass sich dieser Zustand niemals auflöste, doch plötzlich hörte er einen heftigen Knall. 


Ein Gewitter schien aufzukommen und er sah, wie sich der mittlerweile pechschwarz gewordene Himmel in einen hellen Lichtkanal von Blitzen verwandelte. Es begann in heftigen Schwallen zu regnen an. Es war ein Gewitter, das ihn zwar aus seiner Trance herausriss, doch er spürte und lauschte diesen Regenfällen, die seine Melodien weiterzuspielen schienen. Er hatte mittlerweile die Hände auf seinem Schoß zusammengelegt. John schaute aus dem Fenster, setzte sich auf sein großes Fensterbrett, nachdem er seinen Flügel schloss und seinen kleinen Klavierhocker verließ. Er öffnete das Fenster und schaute auf das Schauspiel am Himmel. Es überkam ihn eine Frische, eine Vertrautheit mit dem Regen und ein Gefühl von Freiheit. Doch er wusste immer noch nicht, wer Sara war, woher sie kam und was gerade in seinem Leben passierte. Er ging zu Bett und fiel in einen tiefen, erholsamen Schlaf.





KAPITEL III




John schlief in dieser Nacht besonders entspannt, er erwachte allerdings früher als sonst. Als er auf seinen Wecker schaute, der normalerweise erst um sechs Uhr klingeln würde, bemerkte er, dass es erst genau 3:00 Uhr morgens war. Er hörte immer noch diese neue Melodie, die er zuvor spielte und spürte dem noch immer nach. 

 Er war hellwach, doch er blieb im Bett liegen, er genoss diese Entspannung so sehr, dass er bewegungslos einfach nur da lag und vor sich hinträumte. Sarah, diese ungewöhnliche Frau, sie ist so fern und doch so nah. Er spürte sie nun und sein Geist war still wie noch nie zuvor in seinem Leben. Er dachte zwar nach, doch er verzettelte sich nicht in seinen Gedanken, er dachte zum ersten Mal einfach nur den einen Gedanken: „Ich bin völlig ruhig und entspannt. Sara, ich danke dir.“ „Warum dankst du mir“, fragte Sara, die plötzlich auf seiner Fensterbank saß, und lächelte ihn an. „Sara“, wo um Himmelswillen, kommst du nur immer her, wenn ich dich sehe? Sara setzte sich nun zu ihm ans Bett und er bewegte sich ebenfalls langsam in eine aufrechte Position. „Du rufst mich doch jedes mal“, flüsterte Sara ihm leise ins Ohr, dabei hauchte sie ihren Atem an seine Wange. Ihm war, als käme gerade ein warmer, frischer Wind auf, der ihm ein Gefühl von Nähe und Vertrautheit gab. 


 Er erinnerte sich wieder an die vorangegangene Zeit als Priester und plötzlich stand er als Lorenzo vor Katharina am Fenster seines Klosterzimmers. „Wie bist du hier hereingekommen?“, fragte er Katharina, die ebenfalls wie aus dem Nichts in sein Schlafgemach hineingekommen zu sein schien. „Die Tür stand auf“, sagte Katharina und schaute ihn mit klaren Augen an. Lorenzo wollte die Bediensteten rufen und plötzlich legte Katharina ihm ihren Zeigefinger auf den Mund. Er erstarrte, obwohl er innerlich vor Entrüstung bebte, sie geradewegs hinauskatapultieren wollte, schoss ihm die Wärme ihres Zeigefingers direkt ins Mark. Er wollte sie von sich stoßen und nahm sie bei ihrem Handgelenk, doch anstatt sie wegzubewegen, hielt er ihre Hand und legte sie sich auf seine Wange. 


Wie ein glühend heißer Stein fühlte sich ihre Handfläche an und er nahm ihre andere Hand und hielt sie mit seinen beiden Händen fest. Sie beide standen so eine Weile, Lorenzo vergaß für einen Moment sein Amt und zog ihre Handfläche, die noch immer seine Wange berührte, auf seine Stirn. Katharina löste ihre andere Hand von ihm und legte sie auf den Handrücken der Hand, die gerade auf seiner Stirn ruhte. 


Plötzlich durchströmte Lorenzo eine Energie, die aus der Krone seines Kopfes wie die Lava eines Vulkans geradewegs an seinem ganzen Körper herunterfloss. Innen wie außen, er fühlte sich von Hitze erfüllt und umgeben und konnte kaum noch stehen. Er musste sich hinhocken und so kam es, dass er nun vor ihr niederkniete. Doch Katharina beugte sich sich ebenfalls hinunter und nahm seinen Kopf an ihre Brust. Er roch ihren Duft, wieder dieser leichte Hauch von Jasmin und umarmte plötzlich ihre Hüften. Er grub seinen Kopf in ihren warmen Schoß und war plötzlich wie hypnotisiert, denn er konnte sich weder weiter bewegen noch irgendeinen Gedanken denken. Er hockte einfach nur so da und Katharina hielt seinen Kopf, beide sagten kein einziges Wort. „John“, flüsterte Sara, „wo bist du gerade mit deinen Gedanken?“ 


John schaute sie verblüfft an, wachte er doch soeben aus seiner Trance auf. „Ich verstehe das alles nicht, es ist wie ein Sog, der mich jedesmal aus meinem Körper herauszuziehen scheint, wenn ich dich sehe, wie sagtest du eben? Du meinst, ich rufe dich?“ sagte John etwas verzweifelt. „Aber sicher, du sehnst dich schon so lange nach etwas, was du in dieser Welt nicht zu finden scheinst“, erwiderte Sara ganz sachte. „Du weißt aber nicht wirklich, wonach du suchst, stimmt´s?“ fragte Sara, deutlich energischer. „Ja und nein“, sagte John klar. Ja, ich suche etwas und nein, ich weiß nicht, wonach ich eigentlich suche. Ich suche auch keine Frau, ich hatte viele und doch war ich immer allein. Aber ja ich suche, ich suche vielleicht das Gefühl zufrieden zu sein, ohne dass mich etwas zufriedenstellt. Ich suche etwas, dass mir den Sinn des Suchens erklärt.“ 


 „Oh“, Sara war ganz überrascht, wie John gerade eben ihre Seele streifte. „Der Sinn des Suchens, aha, ja das ist wunderbar John. Der Sinn des Suchens ist der Sinn des Mondes, der Mond lässt die Menschen träumen und das „Suchen“ lässt die Menschen hoffen, dass es etwas gibt, was die Menschen finden könnten. Doch wer nach dem Sinn des Suchens fragt, erkennt vielleicht gerade, dass es gar nichts zu finden gibt.“ John schaute ihr aufmerksam auf die Lippen während er ihr zuhörte und sagte: „Wie meinst du das, es gibt nichts zu finden?“ „Na, was soll es denn zu finden geben?“ fragte sie und lächelte verschmitzt. „Glück, Frieden, Liebe“ entgegnete John. „Glück, Frieden und Liebe, hmm“, Sara wiederholte diese 3 Worte und hauchte sie wie 3 Wolken in die Luft. 


 „Was bedeutet denn Glück für dich?“ John überlegte und antwortete: „Na, wenn ich das wüsste, denn eigentlich müsste ich glücklich sein, doch ich bin es nicht, obwohl ich alles habe. „Glück“, das ist es ja, ich weiß es einfach nicht.“ „Und was bedeutet Frieden für dich?“ fragte sie weiter. „Frieden, John sprach dieses Wort langsam aus, Frieden ist für mich, nicht denken zu müssen, doch das gelingt mir nicht. Und die Liebe war mir schon immer ein Rätsel. „Ach John“, Frieden, Glück und Liebe“, flüsterte Sara sind dein Erbrecht, du bist Frieden, Glück und Liebe, alles ist da, in dir. Öffne dein Herz, spüre deine Kraft, die immer schon da war und auch sein wird. 


Lasse es fließen in dir... „Fließen lassen“, John schaute irritiert. „Wie denn?“ Fließen lassen, es hört sich so einfach an, aber was ist das denn? Einen Eimer Wasser kann ich fließen lassen.“ Sara nahm ihn bei seinen beiden Händen und legte seine rechte Hand mitten auf ihre Brust. „Spürst du mein Herz schlagen?“ fragte sie. John erschrak, was machte sie denn da. „Ja ich spüre deinen Herzschlag, aber was hat das jetzt mit „fließen“ lassen zu tun?“ Sara schaute ihm in die Augen, hielt seine Hand, damit er sie nicht fortnehmen konnte, ganz fest. Und plötzlich wurde John ganz warm in seinen Händen. Sowohl die eine Hand als auch die andere Hand glühte plötzlich vor lauter Energie.“ Na, sagte Sara leise, jetzt spürst du diesen Fluss, oder?“ 


„John seufzte, ja ich spüre mein Blut in den Adern meiner Hände. „Siehst du, meinte Sara, das ist es. Sobald du deinen Kopf ausschaltest und das hast du gerade getan, stimmt´s? Sobald du deinen Kopf ausschaltest, kann „es“ fließen. Was fühlst du gerade? „Was ich fühle?“ entgegnete John in einer leisen Stimmlage, die gebrochen herausströmte“, ich fühle Wärme, ja für einen Moment auch Frieden. „Genau“, meinte Sara, mit dem Frieden fängt es an, gelange zunächst – egal wie – in den Frieden!“ „Aber“, sagte John wieder etwas lauter, ich kann doch nicht immer meine Hand auf deiner Brust lassen“, und lächelte. „Aber du kannst es dir vorstellen, sagte Sara ebenfalls laut. Du kannst dir den Frieden kreieren, indem du dir vorstellst, wie schön es sein kann, wie schön es jetzt zum Beispiel für dich ist, diese Wärme in deinen Händen zu spüren. „Na, nicht nur in meinen Händen“, grinste John nun in sich hinein. Aber er wusste, was sie sagen wollte. Er fühlte sich gerade tatsächlich sehr sehr wohl. Er behielt seine Hand dort und wollte sich nie mehr wieder bewegen. Plötzlich öffnete sich die Tür des privaten Zimmers, in dem sich Katharina und Lorenzo aufhielten. Beide schreckten auf und sahen eine Dame, die mit ihrem strengen Gesicht das jüngste Gericht hätte darstellen können. Lorenzo stand plötzlich aufrecht da und löste sich von Katharina. Beide wussten, was jetzt passieren würde. Lorenzo sprach zu dieser Frau an der Tür: „Ich habe sie, sperren sie sie ein!“ Katharina lief ein Schauer über den Rücken, doch sie ließ sich völlig sprachlos abführen. Ihr Blick war leer, doch ihr Herz glühte vor Schreck und Angst, denn sie wusste, es muss gerade so sein. Lorenzo drehte sich augenblicklich in Richtung Fenster und starrte hinaus. Die Frau an der Tür wies Katharina den Weg auf den Flur und diese ging ohne Abwehr hinaus in den ungewissen neuen Abschnitt ihres Lebens. John schreckte auf, was geschah gerade in seinem Innern. 


Ein Stoß heftigen Schmerzes durchfuhr seine Brust. Er nahm seine Hände von Saras Brust und stand plötzlich aufrecht vor ihr. „Das kann nicht sein, sag, dass das nicht wahr ist,“ schrie er fast Sara an. „Doch sie neigte ihren Kopf und meinte leise, „doch John, es ist noch wahr!“ „Wieso?“ fragte er entgeistert. „Wie kann es noch wahr sein? „Das wirst du gleich bemerken“, entgegnete Sara. Sie hatte ihre Worte kaum ausgesprochen, da klingelte es an der Tür. John, der noch vor Schreck ganz blass war, ging zur Tür und öffnete sie. Polizeibeamte standen mit strengem Gesicht vor ihm und fragten laut: „Verstecken sie hier eine Dame im Alter von ca. 32 Jahren? „Was, wie meinen sie? fragte John entgeistert? „Verstecken sie hier eine Dame?“ wiederholte der Beamte. John war fassungslos, er drehte sich irritiert zu Sara um, doch sie schien fort zu sein. Die Beamten traten an ihm vorbei in seine Wohnung, er stand einfach nur da und war wie gelähmt. 


Sara war fort, wie so oft und er hatte nun überhaupt keine Ahnung mehr, was hier passierte. Die Polizisten fanden nichts, doch sie zeigten John ein Foto, auf dem Sara abgebildet war. „Sie wird gesucht, sie ist eine Mörderin.“ John fiel alles aus dem Gesicht und setzte sich auf den kleinen Hocker, der neben seiner Garderobe stand und ließ sich völlig hängen. Er stammelte was von: „Ich weiß nicht, wovon sie sprechen“, doch die Beamten bemerkten sehr wohl, dass John log. „Sie passen besser auf sich auf, sagte der eine Polizist. Wenn sich diese Dame wieder bei ihnen meldet, so rufen sie uns umgehend an. Sie scheint sie ja auch ins Visier genommen zu haben. Stumm blieb John sitzen und die beiden Herren verschwanden. John saß einfach nur da, nachdem die anderen gegangen waren, alle … auch wohl wieder Sara. Was hat das alles zu bedeuten? John stand auf und setzte sich an sein Klavier, doch seine Finger waren wie gelähmt, er brachte es nicht fertig, sie zu bewegen. Plötzlich spürte er einen Federhauch auf seinem Handrücken, es war, als streichelte ihn etwas sanft, doch er sah nichts und niemanden, doch er vernahm einen sanften Luftstrom, federleicht fühlten sich seine Hände nun an und er spielte auf seinem Klavier. Wieder erfüllte ihn diese Kraft mit der er eine neue Melodie zauberte. Aus Dur wurde Moll und aus Moll wurde Dur. Er versank in eine musikalische Trance und er hörte irgendwann auf zu denken, er wurde eins mit dem Klang, den er gerade selbst zu erzeugen schien, ein Klang, der nicht von dieser Welt war, ein Klang, der nicht aufhörte, der Klang der Welt, er selbst war der Klang, der alles miteinander zu verbinden scheint. 


 Der Klang, aus dem die Menschen geboren wurden. John war eins mit diesem Klang geworden und sah nun auch Sara wieder ganz klar vor sich. Er war nicht von ihr getrennt, er spürte sie so innig, als wäre sie sein Herz. Sie war es! Das ist es, was Himmel und Erde miteinander verbindet … die Sehnsucht, mit dem anderen eins zu sein. John spüre es, gerade jetzt in diesem Augenblick war er nicht mehr „er selbst“, er war ein Wesen, verschmolzen mit einem anderen, ohne körperliche Nähe und doch so spürbar. Mit dieser Sehnsucht und Gewissheit im Herzen, traute er sich gar nicht vorzustellen, was passieren würde, wenn er – sollte er Sara jemals wieder sehen und tatsächlich eins mit ihr werden. Er spürte ein Raunen in seinem Herzen und einen Schauer, der durch seinen Körper floss. Er vernahm ein Zittern von süßester Energie und er bebte von Kopf bis Fuß. Er fühlte eine Kraft in sich, als würde er an einen Strom angeschlossen sein, der ihn völlig mit Lust aber auch mit Energie füllte. So etwas hatte er noch nie erlebt und genoss dieses Gewitter von Tausend und einer Nacht, denn so fühlte es sich an. Wie tausend Sterne, die ihm leuchten und eine Sonne, die ihm brennt. Er saß da und träumte vor sich hin, doch er wusste, es ist kein Traum, es ist totale Realität. 


Er war eins mit allem, eins mit sich, eins mit Sara. In Dankbarkeit und voller bewusster Wahrnehmung seines Gefühles legte sich John nun schlafen. Er war tief entspannt und konnte sich nicht daran erinnern, wann er jemals so eine tiefe Ruhe in sich verspürte. Er fiel in einen tiefen Schlaf und sein Körper war eingehüllt in einer Atmosphäre von Licht und Wärme, so jedenfalls empfand er, als er in seinem Bette lag. Im Traum begegnete er einer Frau, doch er konnte nicht erkennen, ob es Sara war. Diese Frau war eingehüllt in orangefarbener Seide, jedenfalls schimmerte es so glänzend um sie herum. Er versuchte auf sie zuzugehen, doch immer, wenn er ihr sehr nahe kam, wich sie aus. „Wer bist du“, fragte er. Diese in Orange gehüllte Frau lächelte nur. „Warum lachst du“, fragte John. Sie lächelte ihn weiterhin so liebevoll an, dass er nicht weiter fragte, sondern nur auf ihren wunderschönen Mund schaute. Sie hatte einen Mund wie … da erkannte er wieder Sara, doch sie war es nicht, nicht ganz. John war völlig verwirrt. „Sara?“ Fragte er leise, bist du es? Die Frau mit dem schönen Mund lächelte und lächelte und schaute ihn dabei weiterhin total liebevoll an. 


Je mehr er sie anschaute, um so klarer und schöner wurde der orangefarbene Schein um sie herum. Es war als würde um diese Frau herum die Sonne auf und untergehen. So eine Kraft und Energie, die von ihr ausging. Es kribbelte ihm von Kopf bis Fuß. Plötzlich hörte er eine leise Stimme in sich selbst. „Sie ist ein Teil von dir.“ Er war augenblicklich ganz ruhig und lauschte weiter.“ Sie ist ein Teil von dir, vernahm er wieder diese innere Stimme in sich. „Ich bin ein Teil von dir“ … und plötzlich verschwand diese orangefarbene Frau. John wachte schweißgebadet auf und blinzelte mit seinen Augen, die Sonne schien in sein Gesicht und er versuchte sie zu öffnen. Sein Bett war vollkommen zerwühlt, er erinnerte sich an seinen Traum, doch er versuchte nun einen klaren Kopf zu bekommen. Er fragte sich nun schon so lange, was da mit ihm passiert ...!

 

 

 KAPITEL IV




John rieb sich die Augen und stand auf. Er ging zum Fenster und öffnete es. Es war ein strahlend blauer Himmel zu sehen und er wusste nicht einmal, wie spät es ist. Nach dem Stand der Sonne war es noch recht früh. Er suchte sein Handy, da er keine Uhr im Schlafzimmer hatte. Es war genau 6 Uhr in der Früh, die Sonne war gerade aufgegangen. Er war immer noch wie benommen, konnte nicht klar denken, es war, als hätte er die letzte Nacht viel Alkohol getrunken, doch er war doch vollkommen nüchtern geblieben. Was ist nur mit ihm, wer ist Sara und was um Himmels willen soll das alles bedeuten? Er erinnerte sich an die Beamten, die behaupteten, Sara wäre eine Mörderin. Er hatte nicht den blassesten Schimmer, was gerade hier in seinem Leben passiert und wollte nun auch erstmal nicht weiter darüber nachdenken. Er ging in die Küche und kochte sich erst einmal einen starken Kaffee. Als er in den Kühlschrank schaute, stellte er fest, dass er keine Milch mehr hatte und ärgerte sich kurz. Doch weil es ein wunderbarer Tag war und es warm zu sein schien, es war Mitte Juni, wollte er mal seinen Kaffee schwarz trinken. Milch ist war sonst wichtig, doch irgendwie war es ihm nun egal, hatte er doch in der letzten Nacht wie in Milch und Honig gebadet, so dachte er zumindest und grinste in sich hinein. 


Er trank seinen schwarzen Kaffee und setzte sich ans Fenster. Was für ein wunderbarer Tag. Er beschloss heute, es war ein Samstag, eine Radtour zu machen, einfach nur irgendwohin fahren und die Seele baumeln lassen, nicht nachdenken, nur nicht weiter nachdenken. Momentan war ihm alles zu anstrengend darüber nachzudenken, was es mit Sara und der ganzen Situation auf sich hatte. Er wollte sich einfach nur den Kopf frei fahren! Und das tat er auch, er fuhr zig Kilometer durch seine schöne Heimat und fühlte sich frei, vogelfrei, irgendwie hatte ihn all das, was in der letzten Zeit geschah, doch sehr beflügelt. Nun genoss er erstmal die Stille aber auch diese neue Kraft in sich. Ja, er fühlte sich nicht nur frei, sondern auch äußerst kraftvoll.


John war zum ersten Mal in seinem Leben tiefenentspannt. Er bemerkte, dass er für kurze Zeit aufgehört hatte zu denken. Denn über Sara nachzudenken hat absolut keinen Sinn. Sie ist weder real noch irgendwie logisch erklärbar. Selbst seine Gefühle für sie kann er nicht erklären, er weiß nicht einmal, ob er welche hat. Wenn sie nicht da ist, denkt er nicht weiter über sie nach. Er nimmt zwar einige ihrer Schwingungen war, doch er ist eher mit sich beschäftigt und das findet er gerade so spannend. Durch Sara erkennt er immer mehr sich selbst und genießt die entspannenden Momente, die sie wahrlich auszulösen scheint. Wo auch immer das hinführen mag, es bleibt spannend. Sie ist spannend! 


John fuhr ganz gelöst nach Hause und wollte nun mal gar nicht mehr weiter nachdenken. Und das gelang ihm auch. Es vergingen ein paar Wochen und tatsächlich, er hatte Sara fast vergessen, es war nun Spätsommer geworden und er schrieb einige Musikstücke. Er war völlig mit sich und der Welt im Reinen und dachte bei sich … wie gut, dass ich gerade soviel Zeit für mich habe. Er war sonst immer mit so vielen Dingen beschäftigt, doch in der letzten Zeit widmete er sich ausschließlich der Musik. Er schrieb insgesamt 3 neue Klavierballaden und war sehr mit sich und seiner Arbeit zufrieden. Eines Tages, es war ein später Juli-Sommertag saß er noch lange abends auf seinem Balkon und plötzlich hörte er eine Stimme. „Kennst Du den Sinn des Lebens?“ Er drehte sich um, niemand war zu sehen. Gar nichts war zu sehen, außer die Sonne, die gerade unterging und ihr warmes Rot über den ganzen Himmel verteilte. 


„Kennst du den Sinn des Lebens?“ vernahm er wieder eine Stimme, die nun noch lauter zu hören war. Nun stand er auf und schaute in seine Wohnung. Da saß sie, Sara auf seinem Sofa, grinsend und in völlig gelber Seide gekleidet. Sie trug ein Kleid, das so strahlend gelb war, dass es fast seine Augen blendete. Es war schulterfrei und bedeckte gerade ihre Knie. Auf einem ihrer Knie schien, das konnte er sehen, eine blaue Farbe durch. Aber er sah sich dann ganz ruhig auf den Rand des Sofas hinsetzen. „Ich frag jetzt nicht, wie du hier hereingekommen bist,“ lachte er. „Gut so,“ erwiderte Sara und schaute ihn ganz lieblich an. „Was ist mit deinem Knie?“ fragte er sie. „Es scheint blau zu sein.“ Sara sagte nichts und fragte nach ein paar Sekunden noch ein drittes Mal: „Kennst du den Sinn des Lebens?“ „Ach Sara, wieder so eine schwierige und anstrengende Frage“, meinte er ganz gelassen. „Sag mir lieber, warum dein Knie blau ist,“ grinste er. 


„Wenn du mir sagst, was der Sinn des Lebens ist, dann verrate ich dir auch, was mit meinem Knie ist, flüsterte sie nun fast. „Ach,“ antwortete John nun etwas angestrengt,“ ich habe wirklich nicht den blassesten Schimmer. Momentan ist es die Musik oder die Fähigkeit, überhaupt Musik machen zu können. Früher bin ich Motorrad gefahren, da war meine Harley der Sinn meines Lebens. „Hm,“ sagte Sara, „welch Aufstieg. Von der Harley zur Musik, nicht schlecht. Aber gibt es noch mehr? Was ist für dich Musik?“ „Musik,“ wiederholte John langsam, ist für mich Ruhe und Frieden, aber auch Liebe und Leidenschaft.“ „Ah,“ sagte Sara, du brauchst also Ruhe, Frieden, Liebe und Leidenschaft. Und Musik verschafft dir diese Gefühle. Ist für dich eines der vier wichtiger als alle anderen? Gibt es eine Reihenfolge der Wichtigkeit?“ „Nein,“ sagte John, am liebsten habe ich alle vier gleich gern. Aber, wenn ich darüber nachdenke, lässt mich die Leidenschaft noch intensiver Musik machen. Ich muss mich verlieben oder ganz unglücklich verliebt sein, um das Beste aus mir herauszuholen. Meistens kommt beides auch immer zusammen. Aber so ist das Leben.“ „So ist das Leben,“ wiederholte Sara nachdenklich. „Das ist für dich also der Sinn des Lebens.“ „Was, wie meinst du das,“ fragte John. Was ist für mich der Sinn des Lebens?“ „Na, verliebt sein, glücklich oder unglücklich,“ grinste Sara. „Hm, so hab ich es noch nicht gesehen,“ meinte John zögerlich, aber ja, vielleicht hast du recht.“


„Diese Verliebtheit dient dir auch zu einem ganz bestimmten Zweck,“ sagte Sara wieder ganz ernst. „Aha,“ John schaute schon wieder skeptisch. „Was denn für einen Zweck?“ „Das, lieber John erzähle ich dir, wenn wir uns das nächste Mal sehen.“


  „Ach komm,“ sagte John, nun kannst du nicht gleich wieder verschwinden. „Du hast mir außerdem noch nicht verraten, warum dein Knie so blau ist.“ Doch Sara schien nicht zu hören, was er sagt und ging leise hinaus auf seinen Balkon. Sie stand einfach nur da und sagte: „Schön, hast du´s hier, wusstest du, dass wir letzte Nacht den Supervollmond hatten, es ist der hellste des Jahres und er war der Erde ganz nah, vielleicht kann man ihn heute nacht noch einmal bewundern.“ John stand da und wusste nicht, was er sagen sollte. Er war wie immer ratlos und dachte bei sich. „Warum ist es immer so seltsam?“ Er war wie versunken und schaute dann aber auch tatsächlich in den Himmel, es war kein Mond zu sehen, doch diese unendliche Weite des Himmels fesselte seinen Blick und er war für einen Moment ganz ganz weit weg, er dachte nicht mehr, sondern verschwand innerlich in der Tiefe seines Seins. Als er wieder bei „klarem Bewusstsein“ war, bemerkte er, dass Sara auch schon wieder verschwunden war... 


Verliebtsein, dachte John bei sich, das ist ein Sinn des Lebens? Mein Sinn des Lebens … ? Er war sehr skeptisch, doch er dachte drüber nach … war immer noch ganz versunken, konnte aber nicht schlafen. Aber wie immer, wenn Sara da war, fühlte er sich völlig entspannt und hatte neue Kraft und Inspiration gewonnen. Und nu versuchte er seiner „Verliebtheit“ auf die Schliche zu kommen. Denn im Grunde genommen war für ihn das „Verliebtsein“ eine Droge, die ihn meist zwar berauscht, aber auch an seine Grenzen bringt. Er war noch nicht oft in seinem Leben verliebt, aber wenn, dann richtig und sein Leben stand dann meist Kopf, und dann funktionierte fast gar nichts mehr. Aber das kann ja wohl nicht der Sinn des Lebens sein. 


Er grübelte noch eine Weile nach, doch eher über sein auch sonst manchmal „sinn“loses Leben. Warum sollte man überhaupt über den Sinn des Lebens nachdenken. Am Ende geht es doch nur darum, jeden Tag so gut es geht zu genießen und wenn man ihn so genießt, als sei es der letzte, dann hat man zwar nicht verstanden, was der Sinn des Lebens ist, aber man genießt es wenigstens. Ja, dachte John bei sich, ich lebe, um zu genießen. Und wenn ich verliebt bin, genieße ich die Verrücktheit in mir, die Losgelöstheit meines Verstandes, meines ewig ratternden Verstandes, ich genieße die Irrationalität meines Seins … und … ich genieße natürlich auch den Körper meines Gegenübers, in den ich verliebt bin, ich genieße, wie meine Hormone verrückt spielen, ich genieße den Augenblick des ersten Kusses, nein, der ersten Berührung, die muss ja nicht einmal körperlich sein. Ich genieße den Moment, in dem ich weiß, jetzt hab ich mich verliebt, egal, was die Umstände dazu sagen, ich genieße die Sekunde, in dem ich spüre, da ist jemand, den ich will, den ich begehre, den ich vielleicht für immer erobern möchte, doch das denke ich ja in so einem Moment gar nicht, doch es ist so eine Zeit- und Raumlosigkeit da, die alles vereint. Ich fühle mich dann so stark, so kraftvoll und doch so schüchtern und ängstlich, es ist, als stünde man nackt vor dem anderen, denn man glaubt, dass es alle sehen könnten, wie man gerade den Kopf und den Verstand verliert und nur noch an das bezaubernde Wesen denkt, es im Blicke hat und am liebsten verschlingen würde. Ja, so ist es, wen ich verliebt bin. 


Es ist ein Rausch, dem keine andere Droge standhalten kann, ich hatte ja schon einiges ausprobiert, lächelte John in sich hinein. Oh ja, John spürte, wie sein ganzer Körper kribbelte, als er an dieses Gefühl, nein besser an diesen Zustand des Verliebtseins dachte. Er war wie in Trance und fühlte alles, was er beschrieb in Gedanken, als sei es „jetzt“. Er seufzte vor sich hin, schwelgte weiterhin in Gedanken und dachte weiter bei sich, ja und ich genieße diese erste Berührung, die mich einfach nur „lebendig“ macht, wenn diese Berührung dann auch in die körperliche übergeht, ist es, als explodieren tausend kleine Sterne in mir, es wird warm, licht und feurig kribbelnd, es durchströmt mein ganzes Sein und ich bin der Lage alles, aber wirklich alles um mich herum zu vergessen. Es muss ein außersinnliches Empfinden sein, denn die normalen Sinne verschmelzen ineinander, wie in ein unendlich großes Loch, in das man dann mit Leib und Seele hineinfällt, nein, nicht fällt, sondern hinein taucht. Man wird zu diesem „Loch,“ was nur ein Symbol für das Universum ist, ja, man fühlt sich plötzlich eins mit dem ganzen Universum. Und die Frau, die das schafft, ist eine Göttin, die Göttin, die mich das „Einssein“ spüren lässt. Zunächst ist es erst die Verschmelzung mit der Göttin, der Frau, in die ich mich verliebe, doch es geht dann immer weiter und tiefer und ich bin am Ende nicht nur dieses Frau sondern ich bin die Welt. 


Puhh … John war in völlige Ekstase eingetaucht und schwitzte leicht, doch er lächelte, oh wie fühlte er sich gut. Er dachte an keine bestimmte Frau, sondern nur an das Gefühl, was er immer hatte, wenn er verliebt war, und das war nicht oft in seinem Leben. Doch nun hatte er es, obwohl er niemanden im Focus hatte, und doch … Sara hat ihn daran erinnert, sie hat ihn an seine Fähigkeit des Verliebtseins erinnert und sie somit präsent gemacht. Wow, er war vollkommen geflasht. Wie kann man denn so ein Gefühl erzeugen, obwohl gar niemand im Focus ist, wer ist Sara dachte er wieder … doch es war ihm mittlerweile egal, er nahm es so hin, wie es war. Sie IST einfach. Und er genoss sich und er genoss sein Leben. Heute ganz besonders, denn dieses Gefühl der Verliebtheit brannte sich gerade so in seine Zellen, dass er förmlich vor Ekstase zerspringen wollte, doch er nutzte diese Energie und setzte sich auf sein Fahrrad und fuhr einfach drauf los... 


Er fuhr und fuhr, die Sonne ging langsam unter, es war schon wieder so ein unglaublich schöner Tag, seit Tagen schien die Sonnen ohne Unterlass, es war warm, sehr angenehm warm und weil es noch so schön war, machte er an einem Teich eine Pause. 


Es war ein Seerosenteich – ganz untypisch für diese Gegend, doch an einer kleinen Stelle wachsen diese zauberhaften Rosen um die Wette. John dachte bei sich, eigentlich braucht es doch nicht viel zum Glücklichsein, Sonne, ein Fahrrad und Zeit reichen völlig aus … wie gut, dass er sich dessen immer erinnern konnte, so wie jetzt. Er starrte auf den Teich, sah die Seerosen, die so prachtvoll blühten, tief waren ihre Wurzeln im Schlammboden vergraben.. „Ja, schau nur auf die Rosen,“ ertönte eine Stimme hinter ihm. Er musste schmunzeln, wusste er doch, dass da wieder Sara war, die – er dachte nicht einmal mehr darüber nach, wie sie dorthin gekommen war – einfach plötzlich hinter ihm stand und ihm leicht auf die Schulter tippte, nein sie strich ganz zärtlich über seine Schultern, mit beiden Händen hielt sie ihn und strich sanft ihre Hände an seinen Armen hinunter bis ihre Hände die seinen berührten. Anders als sonst schwieg sie und hielt ihn bei den Händen. John war auch plötzlich ganz still und regungslos, spürte den leichten Druck ihrer Hände auf seinen, genoss diese zarte Berührung, bemerkte ihren Atem in seinem Nacken und schaute wie gebannt auf die Seerosen, mittlerweile auf eine ganz zart weiße Rose, die sich von den anderen ziemlich mittig auf dem Teich ihren Platz gesucht und gefunden hatte. Diese Rose war größer als die anderen und ziemlich für sich allein, es schien, als sei sie die Mitte und die Königin aller Seerosen, die auf diesem Teich zu sehen waren. John und Sara standen einfach nur da, schauten und staunten, denn da war ein Moment ganz besonderer Stille und Nähe. Selbst die Natur machte keinerlei Geräusche, kein Wind, kein Vogel, kein Nichts. 





KAPITEL V



„Sie ist tot,“ sprach Pater Lorenzo, nun ist sie tot. Er starrte auf die Menge der Menschen, die sich versammelt hatten, um dem Schauspiel beizuwohnen. Er starrte auf die Kirche, vor der dieses unglaubliche Ereignis stattfand. Katharina wurde mitten auf dem Marktplatz verbrannt, so wie es viele Frauen wurden, die mit dem Teufel verbündet sind, so dachte er, so wusste er es, aber er glaubte nicht an einen Teufel, er glaubte an nichts, nicht mal wirklich an Gott, denn Gott hätte es nicht zugelassen, dass Katharina stirbt. Katharina, die es schaffte, ihn für wenige Momente so zu faszinieren und ihm ein Gefühl von ungeahnter Nähe, Wärme und Geborgenheit zu vermitteln. Er wusste nicht, ob es Liebe war, doch sie veränderte sein ganzes Leben und nun hat er ihres auf dem Gewissen. Er ließ es zu, dass sie mitgenommen wurde, er ließ es zu, einfach zu. Er stellte sich nicht dazwischen, er stand nur regungslos da und ließ es geschehen. Seither fühlt er gar nichts mehr, er hatte vor der Begegnung mit Katharina kaum Gefühle zugelassen, doch nun fühlt es sich für ihn ebenfalls wie der Tod an, sein Leben war nun auch zu Ende. Die Menschenmenge löste sich auf, er ging zu dem Feuer, was noch loderte und stand einfach nur da, doch er spürte diese Wärme, diese Nähe und es war als spräche die Glut zu ihm. Er vernahm eine Energie und versuchte sich ganz darin einzufühlen, wie gebannt stand er da und lauschte dem Knacken und Knistern des Feuers. 

„Mach dir keine Sorgen“, hörte er plötzlich, doch niemand war da. „Sorge dich nicht, es gibt keinen Tod,“ sprach diese Stimme weiter. Er schaute sich um, doch niemand war zu sehen, plötzlich wusste er, es ist Katharina, die zu ihm sprach. Der Tod ist eine Illusion, ich bin da.“ Lorenz versuchte sich stark zu konzentrieren, er glaubte sein Gehirn spielt verrückt. „Vertraue, alles ist gut, das Leben ist ewig, Du wirst es bald erkennen. „Ich liebe Dich,“ hörte er weiter die Stimme sagen und es war als durchströmte ihn ein Schauer unerklärbarer Gefühle, die er nie zuvor wahrgenommen hatte. Er fühlte sich plötzlich unglaublich stark, kraftvoll und doch losgelöst und leicht, er war so auf das Feuer konzentriert, dass er diese Hitze in sich aufnahm und selbst Feuer wurde, er spürte, wie das Feuer sich mit der Luft verband und die Funken in die Höhe sprangen, leicht und unbeschwert. 

Er war nicht nur eins mit dem Feuer, sondern fühlte sich eins mit allem, er wusste nicht mehr, ob er selbst tot oder lebendig war, so unglaublich war seine Erfahrung, die er gerade mit sich selbst machte. Plötzlich vernahm er eine leise Stimme:  

„Du bist meine Herz und meine Seele

Ich bin bei Dir

Auch wenn ich Dir fehle

Du bist mein Blut, mein Saft 

Ich verzehre mich nach Deiner Kraft

Ich gehe auf in Dir und verliere mich

Du verschmilzt mit mir 

Und ich verführe Dich

In die ungeahnten Welten des ewigen Seins

Sei für immer gewiss

Dein Herz ist meins

Die heiße Glut unserer Leidenschaft 

Verleiht allen Menschen Zauberkraft

Wir sind die Entzünder der neuen Zeit 

Und machen alle Herzen weit

Du bist in mir und ich in Dir

Wir sind jetzt und immer hier



Oh was für eine Botschaft, seufzte er … und versank nun in völlige Ekstase, die ihn fast seinen Körper verlassen ließ. 

Er spürte einen Sog, der so gewaltig war, dass er sich nur noch mitreißen lassen konnte, etwas in ihm zog und zog, als würde ein Strudel ihn in sich selbst hinein ... nein hinaufziehen. Er konnte nicht mehr denken, nicht mehr fühlen sondern sich dem Strom nur noch hingeben.






 KAPITEL VI





John stand eine Weile da … ganz versunken und genoss die Nähe von Sara, diesmal war es ganz anders als sonst, denn er war zwischenzeitlich so mit ihr vertraut, dass er ganz ruhig und entspannt ihre Nähe genießen konnte. Sie waren sich so nah aber doch so fern. Er hörte auf zu denken, er stand nur da und verlor auch schon den Blick auf die Seerose, die er da entdeckt hatte, er war einfach nur „da“ … ohne Gedanken, ohne irgendeine Regung seines Körpers. Es war, als hätte er seinen Körper verlassen … nein, er hatte seinen Körper verlassen, denn er sah sich, ganz getrennt von seinem Körper … er sah, wie er mit Sara da zusammen am Teich stand. Ihm war völlig seltsam zumute, dann fand er es ganz amüsant und wunderte sich nicht weiter darüber. Doch plötzlich – wie durch einen Sog - war er wieder ganz im Körper und erschrak. Was war das, dachte er bei sich. „Du meinst, als du deinen Körper verlassen hattest?“ fragte Sara.



Er drehte sich zu ihr um und schaute sie ganz erschrocken an. „Woher weißt du das?“ erwiderte er laut. „Ach John, du erlebst gerade, wie groß deine Welt ist, wie weit dein Sein und deine Aura ist.“ „Wie, wie meinst du das,“ fragte er wieder sehr leise. „Die Welt ist ein einzig großes Energiefeld, lieber John. Du machst gerade die Erfahrung, wie alles miteinander zusammenhängt, wie du mit mir verbunden bist, ohne dass wir uns nahe sind. Wie du einfach fühlst, dass du mehr als nur der Körper bist.“ Sara hielt immer noch seine Hände, doch John wich einen Schritt zurück und entzog sich ihrer Berührung. „Ich weiß nicht, ich zweifle an diesen Dingen, aber das eben war schon sehr seltsam. Die letzte Zeit war schon sehr seltsam.“ „Ich weiß,“ sagte Sara. Deshalb bin ich ja da. „Was meinst du damit,“ fragte John wieder irritiert. „Warum bist du da?“ „Ach John, überfordere dich jetzt nicht, genieße doch den Moment, den du gerade erfahren hast, es geht für dich noch viel weiter, lass einfach zu, dass das Schicksal gerade mit dir was ganz besonderes vor hat.“



Plötzlich sah John in Sara eine ganz andere Frau, er sah Katharina, er starrte sie an und konnte es kaum fassen. Er erinnerte sich soeben an das, was damals geschah, er hatte es doch auch eben gesehen. Er erschrak und fing zu weinen an. „Katharina, Sara, ich fühle gerade einen unglaublichen Schmerz.“ John setzte sich auf den Wiese und ließ seinen Tränen freien Lauf. Er weinte und weinte und hörte nicht mehr auf. Sara setzte sich zu ihm und hielt seinen Kopf, sie küsste seine Tränen, die wie kleine Wasserfälle an seinen Wangen herunterliefen. Sie drückte ihn an sich und hielt ihn ganz ganz fest, langsam konnte er entspannen. Keiner sagte ein Wort, sondern sie hielten einander nur fest. Langsam schaute John Sara wieder in die Augen und berührte mit seiner rechten Hand ihre Schläfen, strich über ihr Haar und nahm seinen linken Zeigefinger und strich über ihre geschwungenen Lippen, die so prall anschwellten, dass er für einen Moment daran dachte, sie zu küssen. Doch irgendetwas hielt ihn davon ab. Er dachte bei sich, was mache ich hier, Sara ist sicher nur ein Traum, alles ist nur ein Traum, irreal, verrückt, er wird langsam verrückt, dachte er nun und spürte, wie sein Verstand tatsächlich zu rebellieren anfing.



Doch plötzlich beugte sich Sara zu ihm nach vorne und küsste ihn ganz sanft und drückte sich an ihn. Er ließ es geschehen, obwohl er eben noch davonlaufen wollte, nun war er wie gebannt und spürte, wie ein Schauer seinen Rücken herunterlief. Sara öffnete langsam ihren Mund und küsste erst seine Oberlippe, dann seine Unterlippe, dann seine rechte Wange und seine Stirn. An der linken Wange hielt sie sich eine Weile auf und küsste sie als wäre sie eine süße Pfirsich, in die sie hineinbeißen wollte. John hielt ganz still, er spürte, wie sein ganzer Körper kribbelte und konnte nicht anders als sie nun einfach noch mehr an sich zu ziehen und seinen Mund auf den ihren zu pressen, doch plötzlich sagte sie: „Stopp“ und rückte von ihm weg. John schaute sie einen Moment irritiert an und ließ sich aber nicht abhalten, er küsste sie wieder auf den Mund und sie versuchte noch einmal etwas zu sagen, doch sie bemerkte, dass John in eine Ekstase verfiel, die sie einfach verstummen ließ.



John hatte mit seinem tränenüberströmten Gesicht auch das ihre nun völlig befeuchtet und schmeckte seine eigenen salzigen Tränen auf der Zunge. Als er sie küsste vernahm auch sie den salzigen Geschmack, den er ihr schenkte. John und Sara küssten sich als hätten sie noch nie in ihrem Leben so etwas erlebt. Eine Weile verging und Johns Gesicht war getrocknet, doch das Salz war noch überall zu schmecken. Sara löste sich langsam von seinem Gesicht und küsste seinen Hals, seinen Nacken und zog ihm das T-shirt aus, sie glitt mit ihren Lippen über seine Schultern während er seine Hände auf ihren Rücken legte. Langsam glitt er hinunter auf ihren Po-Ansatz und einen Moment hielt er inne, da sie zuckte … doch als sie wieder ganz ruhig atmete drückte er ihren Po fest an seinen Schoß. Da beide noch standen, zog er sie langsam auf die Wiese. Sara legte sich auf den Rücken und John beugte sich über sie. Er zog ihr Sommerkleid aus, das diesmal von grüner Farbe war und fast wie ein Teil der Wiese aussah … er bemerkte, dass ihre Haut weich wie Samt und Seide war und streichelte ihren Bauch, küsste sie auf ihren Hals und legte sich auf sie. Sara seufzte und John versank in eine süße Trance der Lust. Das Gras der Wiese war so hoch, es war Spätsommer und die Wiese schien lange nicht gemäht worden zu sein, so dass sie wie in einen Graskranz eingebettet waren. Sara öffnete Johns Jeans und zog sie ihm aus sowie auch seine Turnschuhe. Sie hatte schon ihre Sandalen abgestreift und glitt dann mit ihren Füßen über seine Waden. Es trennte ihre beiden Körper nur noch ein paar Baumwollteile, die jeder für sich nun auszog, um die Wärme und Energie des anderen Körpers vollkommen in sich aufnehmen zu können. John drang langsam in Sara ein und fühlte eine Kraft und einen Sog, der ihn in sich selbst hinabzog. Er war wie in Trance und hatte im wahrsten Sinne des Wortes das Gefühl von „Einssein“, wie noch nie zuvor in seinem Leben.



Sein ganzer Körper schauerte und doch war er kraft- und machtvoll wie ein Löwe. Sara ließ es geschehen und lächelte ihn nur an. Es war, als sei sie nach Hause gekommen. Ihr war nichts fremd und John empfand ebenso. Als hätten sie sich schon ewig gekannt und gewusst, wie es sein würde. John und Sara sprachen kein Wort, sondern tauchten in eine Welt der Gefühle, die sie wiederentdeckten, als hätten sie sie beide vor langer langer Zeit begraben. 

 

 


 KAPITEL VII




John fühlte plötzlich eine Energie, die er noch nie bei sich wahrgenommen hatte. Er war nicht nur in voller Lust entflammt, sondern er fühlte sich so eins mit Sara, aber auch so eins mit dem, was ihn umgab. Er spürte die Sonne, als strahlte sie selbst von ihm ab und als wärmte sie ihn zugleich. Der Wind, der zart um seine Haut wehte, erschien ihm als sein eigener Atem und der Geruch der Wiese, der Blumen um ihn herum waren seinen eigenen Porenausströmungen gleich. Was passierte gerade wieder, dachte er bei sich und verfiel dann gleich aber dem nächsten Liebesschauer. John war so in Wallung, dass er nicht mehr klar denken konnte und auch nicht mehr wusste, wer, wo oder wie er war. Er war einfach nur da, präsent, in diesem Augenblick eins mit allem um sich herum. Sara war da, aber auch wieder nicht, denn er spürte sie nicht mehr von sich getrennt. „Ich liebe dich“ flüsterte eine Stimme, die John vernahm, doch als er Sara anschaute, die ganz lieblich neben ihm wieder auf der Wiese zu erwachen schien, bemerkte er, dass sie so versunken war und nicht zu sprechen schien. 



„Ich liebe dich“ hörte er wieder und sah, dass Sara tatsächlich den Mund verschlossen hatte. Doch er bemerkte, dass diese Worte wie ein Strom aus ihrer Richtung kam. Er spürte Schwingungen und wusste plötzlich, es waren ihre Gedanken. Wie selbstverständlich sagte er, ich liebe dich und er sah, wie sie lächelte. „Ich weiß, dachte sie wieder, wobei ihr Mund verschlossen blieb. John dachte dann: „Wer bist du?“ und Sara ebenfalls denkend: „Ich bin du und du bist ich.“ Wir sind und waren nie voneinander getrennt. Du hattest nur deinen Glauben an dich selbst verloren, dein Herz war tot, du konntest nicht mehr lieben, hast vergessen, was Wärme, Liebe, Geborgenheit, Nähe und Frieden ist. Doch nun, da du dich einfach fallen gelassen, einfach vertraut und dich hingegeben hast, sozusagen dein Herz weit geöffnet hast, bemerkst du, dass du von nichts aber auch von gar nichts getrennt bist. Du bist alles! Ich bin „nur“ dein Herz, ich spiegele dir dein Herz, deine Liebe, nun weißt du wieder, was Liebe ist. Es zählt nur die Liebe im Leben, die „Fähigkeit“ zu geben, aber auch zu empfangen. Du hast gelernt zu empfangen und nun kannst du wieder geben, dir, anderen – aber vor allem dir selbst, denn du selbst bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Und wenn es dir gut geht, dann geht es allen Menschen um dich herum gut. Vertraue dir, glaube an dich und vor allem liebe dich, genieße dich, erfreue dich an dir. Sei dir dein bester Freund und Liebhaber. Sei dein Schöpfer und erschaffe dir die Welt, die dir gefällt. Suche dir Farben und Formen aus und gestalte dir deine Bühne, deine Lebens- und Liebesbühne, auf der jeder Liebe, Freude und Kreativität leben kann. Liebe und alles ist gut! John war wie entrückt, aufgeregt, innerlich zwar völlig entspannt, doch es kribbelte in seinem Körper. Er spürte eine Energie, die ihn fast ohnmächtig werden ließ, doch plötzlich brach aus ihm eine Flut von Kraft heraus, die ihn aufstehen ließ und er reckte und streckte all seine Glieder, er wollte Sara, die immer noch stumm auf der Wiese lag und immer noch lächelte, zu sich hinaufziehen und griff ins Leere. 


Er sah sie, doch er konnte sie nicht anfassen, sie war wie Luft. Plötzlich veränderte sich ihre Gestalt, sie war zuerst menschengroß und langsam verwandelte sie sich in einen Grashalm, der auf der Wiese blühte, doch eigentlich schien es John, dass sie sich tatsächlich in Luft aufgelöst hatte. Doch es ertönte weiterhin in ihm: „Geh deinen Weg, erlaube dir zu leben, so wie es dir gefällt. Liebe mit deinem Herzen aber geh.“ John wurde plötzlich ganz ruhig. Die Euphorie verwandelte sich in eine nie dagewesene Ruhe. Er bewegte sich langsam fort und verfiel in eine Art Geh-Trance, bis er wieder zu Hause angekommen war. Er legte sich sofort schlafen, denn es war bereits später Abend. Am nächsten Morgen erwachte er ganz neu, ganz erfrischt und völlig entspannt, er dachte nicht, er fühlte nicht, er war einfach nur ganz da, wie noch nie in seinem Leben. Heute hatte er eine Schicht in dem Café, in dem er ab und an arbeitete. Als er mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr, war es, als zöge die ganze Welt an ihm vorbei, seine Gedanken flogen nur umher und die Bilder in seinem Innern ebenfalls, er hatte eine totale Innenschau. Alles war ihm nun klar, ohne dass er es erklären konnte, er wusste einfach um den nächsten Schritt. 


John kam in das Café – es war das „Café zum Mond“ – und löste die Frühschicht ab. Er kellnerte fröhlich, entspannt und gelöst wie noch nie und alle Gäste lachten und genossen ihre Cappuchinis und Snacks. Die Sonne lachte vom Himmel und John trug mit seinem charmanten Lächeln den Rest auf dieser Erde bei. Kurz bevor er Feierabend machten wollte, vernahm er hinter sich eine Stimme, die fragte: „Könnte ich bitte noch einen Cappuchino bekommen?“ John wurde heiß und kalt zugleich, drehte sich um und sah eine Frau in einem dunkelgrünen Kleid, die ihn mit ihren faszinierenden oliv-grünen Augen verschmitzt anschaute und ihre Frage mit einer ganz warmen Stimme wiederholte: „Gibt es noch einen Cappuchino für mich oder machen Sie schon Feierabend? „Nein, lächelte John, ich habe soeben erst das Café eröffnet ...

… ... ... 




Fortsetzung folgt ... 

Die zweite Novelle heißt:

"DER GRÜNE MOND"

... und wird demnächst im MondVerlag erscheinen.




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